Warmwasser, Heizen und alte Großgeräte fressen den meisten Strom – nicht der Standby-Knopf. Wo Sie in Österreich 2026 wirklich kWh und Euro sparen.

Illustration: KI-generiert
Jedes Jahr im Herbst dieselbe Routine: Steckerleisten werden ausgeschaltet, Ladegeräte aus der Wand gezogen, das Stand-by-Lämpchen am Fernseher zum Feindbild erklärt. Das Gefühl, etwas getan zu haben, stellt sich schnell ein. Auf der Stromrechnung passiert danach – fast nichts. Das ist kein Zufall, sondern Rechnung. Wer im Haushalt ernsthaft Strom sparen will, muss zuerst verstehen, wo der Strom überhaupt hingeht. Und die ehrliche Antwort lautet: selten dort, wo die meisten Spartipps ansetzen.
Um wie viel Geld es geht, zeigt der Preismonitor der E-Control. Er rechnet mit einem österreichischen Durchschnittshaushalt, der 3.500 Kilowattstunden Strom im Jahr verbraucht. Beim jeweiligen Landesversorger kostet das zwischen 891 Euro (Tiwag) und 1.218 Euro (Energie Klagenfurt) im Jahr, Netzentgelte, Steuern und Abgaben eingerechnet (E-Control, Preismonitor vom 1. Oktober 2026) – im Schnitt also rund 25 bis 35 Cent je Kilowattstunde. Genau deshalb lohnt es, die Hebel zu sortieren – nach Wirkung, nicht nach Bauchgefühl.
Der große Irrtum: Strom ist nicht gleich Energie
Der wichtigste Denkfehler beim Energiesparen liegt schon im Wort. Wofür Haushalte ihre Energie insgesamt aufwenden, hat Statistik Austria erhoben: In Ein- und Zweifamilienhäusern entfallen 76,4 Prozent auf das Heizen und 11,4 Prozent auf Warmwasser, in Mehrfamilienhäusern 62,7 und 17,6 Prozent. Für den E-Herd bleiben 1,8 beziehungsweise 3,5 Prozent, für alles Übrige – Licht, Kühlschrank, Waschen, Fernsehen, Computer – 10,3 beziehungsweise 16,2 Prozent (Mikrozensus Energie 2023/2024, Statistik Austria, Energieverwendung privater Haushalte 2025–2026, korrigierte Fassung vom 16. Juni 2026). Wer mit Öl, Gas oder Fernwärme heizt, dessen größter Hebel liegt also gar nicht auf der Stromrechnung, sondern auf der Heizkostenabrechnung – und damit letztlich bei der thermischen Sanierung des Gebäudes.
Das verschiebt die Perspektive grundlegend. Die spannende Frage ist nicht nur „Wie spare ich Strom?“, sondern „Womit wird in diesem Haushalt Wärme erzeugt?“. Denn sobald Wärme ins Spiel kommt – ob fürs Heizen oder fürs Warmwasser – reden wir über Größenordnungen, die jeden Stand-by-Tipp verzwergen. Eine Kilowattstunde, die nicht in Wärme fließt, ist die billigste Kilowattstunde überhaupt.
Wo der Strom wirklich hingeht
Wie viel einzelne Verwendungen im Jahr brauchen, hat Statistik Austria für rund 1.500 Haushalte modelliert, die den Energiespar-Check auf der Website der E-Control ausgefüllt haben (Jänner 2025 bis Jänner 2026). Die Werte gelten unabhängig vom Energieträger: Bei Geräten und Licht ist das Strom, beim Warmwasser nur dann, wenn ein Elektroboiler oder Durchlauferhitzer es erwärmt.
| Verwendung | Ein- und Zweifamilienhaus | Mehrfamilienhaus |
|---|---|---|
| Warmwasser | 2.518 kWh | 1.993 kWh |
| Beleuchtung | 756 kWh | 497 kWh |
| E-Herd | 650 kWh | 456 kWh |
| Wäschetrockner | 478 kWh | 370 kWh |
| Computer | 452 kWh | 535 kWh |
| Kühlschrank | 425 kWh | 281 kWh |
| Fernseher | 362 kWh | 202 kWh |
| Geschirrspüler | 224 kWh | 161 kWh |
| Waschmaschine | 176 kWh | 136 kWh |
| Zum Vergleich: Heizen | 15.893 kWh | 6.465 kWh |
Quelle: Statistik Austria, Energieverwendung privater Haushalte 2025–2026, Tabelle 4: modellierte durchschnittliche Energieverwendung je Haushalt und Jahr, gerundet. Die Streuung zwischen den Haushalten ist groß.
Der erste und oft größte Posten auf der Stromrechnung ist damit die elektrische Warmwasserbereitung. Für Warmwasser setzt Statistik Austria im Schnitt rund 2.000 bis 2.500 Kilowattstunden im Jahr an. Kommt diese Wärme aus einem Elektroboiler oder Durchlauferhitzer, steht sie auf der Stromrechnung – das ist mehr als die Hälfte dessen, was die E-Control für den gesamten Verbrauch eines Durchschnittshaushalts ansetzt. Das ist kein Detail, das ist der Unterschied zwischen einer normalen und einer hohen Rechnung.
Der zweite Posten ist das Heizen mit Strom. Direkt- oder Nachtspeicherheizungen machen aus einer Kilowattstunde Strom eine Kilowattstunde Wärme. Bei rund 6.500 Kilowattstunden Heizenergie, die ein Haushalt im Mehrfamilienhaus im Schnitt braucht, übersteigt das Heizen allein den gesamten Durchschnittsverbrauch von 3.500 Kilowattstunden deutlich. Auch Wärmepumpen verbrauchen Strom – allerdings viel weniger, weil sie pro eingesetzter Kilowattstunde mehrere Kilowattstunden Wärme liefern. Wer noch mit alten Stromdirektheizungen heizt, sitzt auf dem mit Abstand teuersten Hebel im ganzen Haus.
Der dritte Block sind die großen Dauerläufer und Wärmegeräte: E-Herd, Wäschetrockner, Kühlschrank, jeweils mit einigen hundert Kilowattstunden im Jahr. Entscheidend ist hier weniger die Nutzung als das Alter und die Effizienzklasse – ein Kühlschrank läuft alle 8.760 Stunden des Jahres.
Die unbequeme Wahrheit: Die größten Stromposten im Haushalt haben fast alle mit Wärme zu tun – Warmwasser, Heizen, Kochen, Trocknen. Erst danach kommen Licht und Geräte.
Der vierte Block ist alles Übrige – Beleuchtung, Unterhaltungselektronik, Computer, Router. Unterschätzen sollte man ihn nicht: Beleuchtung und Computer liegen in der Modellierung in derselben Größenordnung wie Kühlschrank oder Trockner. Wer viele Lampen lange brennen lässt oder einen leistungsstarken Rechner ständig laufen hat, findet auch hier Potenzial.
Der Stand-by-Mythos – und was an ihm dran ist
Damit zum Liebling aller Ratgeber: dem Stand-by-Verbrauch. Er existiert, keine Frage, und wie groß er im eigenen Haushalt ist, zeigt am ehesten der Smart Meter (dazu unten). Aber zwei Dinge relativieren den Hype.
Erstens begrenzt die EU-Ökodesign-Verordnung 2023/826 seit 2025 den Verbrauch neuer Geräte im Bereitschafts- und im Aus-Zustand auf 0,5 Watt, mit Status- oder Informationsanzeige auf 0,8 Watt (Europäische Kommission). Ein Gerät mit 0,5 Watt Bereitschaft kommt rund um die Uhr auf gut 4 Kilowattstunden im Jahr. Die echten Stand-by-Sünder sind heute weniger die offensichtlichen Geräte als die Immer-an-Infrastruktur – Router, Set-Top-Boxen, ältere Spielkonsolen, manche Kaffeevollautomaten mit Warmhaltefunktion.
Zweitens ist Stand-by eben jener Hebel, der ganz oben auf jeder Liste steht, obwohl er fast nie das Hauptproblem ist. Wer eine hohe Rechnung hat, weil ein Elektroboiler das Warmwasser macht, holt mit dem Ausschalten der Steckerleiste nur einen Bruchteil dessen heraus, was der Boiler zieht.
Die nüchterne Reihenfolge lautet also: erst die Wärme-Hebel, dann die Großgeräte, dann das Verhalten, und Stand-by ist die Kür, nicht die Pflicht.
Verhalten schlägt Verzicht: die wirksamsten Maßnahmen
Wo also ansetzen? Beim Warmwasser ist die Temperatur kein Sparhebel nach unten: Das Land Tirol empfiehlt, den zentralen Warmwasserspeicher auf mindestens 60 Grad einzustellen, damit sich keine Legionellen vermehren; an den Wasserhähnen sollte das Wasser nach kurzem Vorlauf mindestens 50 Grad erreichen (Land Tirol, 7. Oktober 2026). Gespart wird bei der Menge: Kürzer duschen und Sparbrausen wirken unmittelbar, weil jede nicht erwärmte Wassermenge direkt Energie spart.
Beim Trocknen ist der größte Hebel der billigste: Der Wäscheständer kostet null Strom. Wer auf den Trockner nicht verzichten will oder kann, fährt mit einem modernen Wärmepumpentrockner und konsequent voller Beladung am günstigsten. Beim Kühlen lohnt der Blick auf das Alter der Geräte mehr als jede Einstellung; ob sich ein Tausch rechnet, zeigt der Vergleich des gemessenen Verbrauchs des Altgeräts mit dem Wert auf dem Energielabel eines neuen.
Und schließlich die Raumtemperatur, der unterschätzte Riese: Weil das Heizen den Löwenanteil der Haushaltsenergie ausmacht, wirkt jedes Grad weniger stärker als jede Maßnahme bei den Geräten – wer elektrisch heizt, spart das direkt auf der Stromrechnung. Wie sich Heizen und Lüften ohne Komfortverlust optimieren lassen, zeigt unser Beitrag Richtig heizen und lüften.
Den eigenen Verbrauch sichtbar machen
Statt allgemeinen Tipps zu folgen, lohnt sich der Blick auf die eigenen Daten – und genau das ist mit dem Smart Meter in Österreich heute möglich. Wenn der Zähler Viertelstundenwerte überträgt, nach dem neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz der Regelfall, lässt sich der Verbrauch im Kundenportal des Netzbetreibers Viertelstunde für Viertelstunde verfolgen. Damit lassen sich Stromfresser regelrecht aufspüren: Der Verbrauch in der Nacht, wenn keine großen Geräte laufen, zeigt die Grundlast. Bleibt sie über Stunden hoch, läuft irgendwo etwas, das nicht laufen müsste.
Wer den eigenen Verbrauch kennt, kann zudem den nächsten Hebel ziehen, der nichts mit dem Verhalten zu tun hat: den Anbieterwechsel. Laut Preismonitor der E-Control vom 1. Oktober 2026 hätte ein Durchschnittshaushalt beim Wechsel vom meistgenutzten Produkt des lokalen Anbieters zum günstigsten Angebot, einmalige Wechselrabatte eingerechnet, in Salzburg rund 234 Euro im Jahr gespart, in Tirol dagegen nichts. Ein Vergleich gehört zur ehrlichsten Form des Sparens, weil er keinen Komfort kostet. Die aktuelle Entwicklung der Strompreise in Österreich 2026 zeigt, was sich bei Netzkosten und Abgaben gerade ändert.
Fazit: Ehrliche Prioritäten statt Symbolpolitik
Strom sparen funktioniert, aber nicht über Symbolhandlungen. Die unbequeme Reihenfolge lautet: Erst klären, ob Wärme und Warmwasser über Strom laufen – dort liegt das größte Potenzial. Dann die alten Großgeräte ins Visier nehmen, weil sie rund um die Uhr ziehen. Dann das eigene Verhalten und die Raumtemperatur. Und ganz am Ende, als Feinschliff, die Steckerleiste. Wer in dieser Reihenfolge vorgeht, spart spürbar – und nicht nur ein gutes Gewissen.


