Heizen ist der größte Einzelposten beim Energieverbrauch im Haushalt. Nach Angaben des Umweltbundesamtes entfallen in einem durchschnittlichen österreichischen Haushalt rund zwei Drittel bis drei Viertel des gesamten Energieeinsatzes auf die Raumwärme – deutlich mehr als auf Warmwasser, Beleuchtung oder Elektrogeräte zusammen. Wer hier ansetzt, spürt das auf der Jahresabrechnung schneller als bei jeder anderen Sparmaßnahme. Das Gute daran: Ein erheblicher Teil des Einsparpotenzials liegt nicht in teuren Sanierungen, sondern im täglichen Verhalten. Richtig heizen und lüften kostet nichts, verlangt aber ein bisschen Routine – und das Wissen, welche Gewohnheiten tatsächlich Geld kosten und welche sich nur hartnäckig halten.

Jedes Grad zählt – buchstäblich

Die wohl bekannteste Faustregel stammt von Beratungsstellen wie der Umweltberatung und der Energieagentur: Pro Grad weniger Raumtemperatur sinkt der Heizenergieverbrauch um etwa sechs Prozent. Wer die Wohnung also von gewohnten 23 auf 21 Grad herunterregelt, spart über eine Heizsaison rund zwölf Prozent – ohne zu frieren, wenn der Rest stimmt. Die Empfehlung der Fachstellen liegt für Wohn- und Aufenthaltsräume bei etwa 20 bis 21 Grad, für Schlafzimmer bei 16 bis 18 Grad und für selten genutzte Räume noch darunter.

Entscheidend ist dabei das Gefühl von Behaglichkeit, das nicht allein von der Lufttemperatur abhängt. Kalte Wände, Zugluft an undichten Fenstern oder feuchte Raumluft lassen einen Raum kühler wirken, als das Thermometer anzeigt. Umgekehrt fühlen sich gut gedämmte Wohnungen schon bei 20 Grad warm an. Wer also die Temperatur senken möchte, sollte zuerst die offensichtlichen Kältequellen abdichten – ein paar Euro für Dichtungsbänder an alten Fensterflügeln amortisieren sich oft binnen einer Saison.

Wichtig ist außerdem, einzelne Räume nicht völlig auskühlen zu lassen. Ein dauerhaft ungeheiztes Zimmer holt sich Wärme und Feuchtigkeit aus den Nachbarräumen, was die Heizung dort stärker beansprucht und das Schimmelrisiko an der kältesten Wand erhöht. Sinnvoller ist eine moderate Grundtemperatur in der gesamten Wohnung statt eines starken Gefälles von Raum zu Raum.

Stoßlüften statt Dauerkippen

Bei kaum einem Thema klaffen Gewohnheit und Empfehlung so weit auseinander wie beim Lüften. Das gekippte Fenster, oft über Stunden, gilt vielen als selbstverständlich – energetisch ist es die teuerste Variante. Die Luft tauscht sich kaum aus, während die Laibung rund um das Fenster und die angrenzende Wand permanent auskühlen. Über eine ganze Heizsaison kann ein dauerhaft gekipptes Fenster nach Berechnungen von Energieberatungsstellen mehrere Hundert Kilowattstunden zusätzlich verschlingen.

Die Alternative ist das Stoßlüften: Fenster weit öffnen, idealerweise gegenüberliegende für Querlüftung, und nach wenigen Minuten wieder schließen. Im Winter genügen je nach Außentemperatur fünf bis zehn Minuten, um die verbrauchte, feuchte Luft komplett gegen frische zu tauschen. Weil die Wände in dieser kurzen Zeit kaum abkühlen, ist der Raum rasch wieder warm – die Heizenergie steckt in den Wänden und Möbeln, nicht in der Luft. Zwei- bis viermal täglich gilt als Richtwert, in Schlafräumen besonders morgens, wenn sich über Nacht viel Feuchtigkeit angesammelt hat.

Ein einzelner Mensch gibt im Schlaf nach Angaben der Umweltberatung etwa einen halben Liter Wasser an die Raumluft ab, hinzu kommen Kochen, Duschen, Wäschetrocknen und Zimmerpflanzen. Diese Feuchtigkeit muss hinaus, sonst schlägt sie sich an den kältesten Stellen nieder. Ein wichtiges Detail: Während des Lüftens sollte das Thermostat heruntergedreht werden, damit die Heizung nicht gegen das offene Fenster anheizt.

Das Thermostat richtig verstehen

Viele Heizkostenrechnungen fallen höher aus, weil das Thermostatventil falsch bedient wird. Die Zahlen darauf sind keine Gradangaben im engeren Sinn, sondern Stufen, die einer Zieltemperatur entsprechen: Stufe 3 steht bei den meisten Ventilen für rund 20 Grad, jede Stufe darüber oder darunter macht etwa vier Grad aus. Das Thermostat regelt selbsttätig – ist die eingestellte Temperatur erreicht, drosselt es den Durchfluss. Wer auf Stufe 5 dreht, um schneller warm zu bekommen, heizt deshalb nicht schneller, sondern nur länger und über das Ziel hinaus, bis irgendwann das Fenster geöffnet wird, weil es zu heiß geworden ist.

Sinnvoll ist es, eine passende Stufe zu finden und sie konstant zu halten, statt ständig auf- und zuzudrehen. Wer das Haus tagsüber verlässt, muss die Heizung nicht komplett abschalten – ein vollständig ausgekühlter Raum braucht beim Wiederaufheizen mehr Energie, als eine abgesenkte Grundtemperatur über den Tag verbraucht. Eine moderate Absenkung um zwei bis drei Grad bei Abwesenheit und über Nacht ist der bessere Weg. Programmierbare Thermostate, die das automatisch übernehmen, kosten wenig und rechnen sich in den meisten Wohnungen rasch. Heizkörper sollten zudem frei stehen: Vorhänge, Möbel oder Verkleidungen davor stauen die Wärme und verfälschen die Messung des Ventils, sodass der Raum kühler bleibt als gewünscht.

Schimmel vermeiden: das Zusammenspiel von Wärme und Feuchte

Schimmel ist kein reines Hygieneproblem, sondern fast immer eine Folge von zu viel Feuchtigkeit an zu kalten Flächen. Er entsteht dort, wo warme, feuchte Raumluft auf kühle Bauteile trifft und das Wasser auskondensiert – typischerweise in Raumecken, hinter Schränken an Außenwänden, in Fensterlaibungen. Genau hier rächt es sich, einzelne Räume kalt zu halten und gleichzeitig zu wenig zu lüften.

Die Vorbeugung folgt aus dem bereits Gesagten: konsequent stoßlüften, alle Räume auf eine vernünftige Grundtemperatur halten und Möbel ein paar Zentimeter von kühlen Außenwänden abrücken, damit die Luft zirkulieren kann. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann mit einem einfachen Hygrometer die relative Luftfeuchtigkeit im Blick behalten; Werte dauerhaft über 60 Prozent gelten als kritisch. Zeigt sich bereits Schimmel an größerer Fläche oder kehrt er trotz richtigen Lüftens immer wieder, steckt meist ein bauliches Problem dahinter – eine Wärmebrücke, aufsteigende Feuchte, ein Wasserschaden. Dann hilft kein Lüften, sondern nur die Ursache zu beheben, bei Mietwohnungen gemeinsam mit der Hausverwaltung.

Wenn die Anlage selbst ineffizient läuft

Verhalten ist die eine Seite, die Technik die andere. In vielen Mehrparteienhäusern in Wien, Graz oder Linz läuft die Zentralheizung ohne hydraulischen Abgleich. Dabei wird das Heizwasser so verteilt, dass jeder Heizkörper genau die Menge bekommt, die er braucht. Fehlt der Abgleich, werden Räume nahe der Heizzentrale überversorgt und gluckern hörbar, während entfernte oder höher gelegene Wohnungen kaum warm werden – die Bewohner dort drehen voll auf, die Anlage läuft mit zu hoher Vorlauftemperatur, und unterm Strich verbrauchen alle mehr.

Der hydraulische Abgleich ist eine vergleichsweise günstige Maßnahme mit gutem Verhältnis von Aufwand und Wirkung; Fachstellen beziffern das Einsparpotenzial je nach Ausgangslage auf einige Prozent des Heizverbrauchs. In Häusern mit Wärmepumpe oder Brennwerttherme ist er praktisch Voraussetzung für effizienten Betrieb. Für Mieterinnen und Mieter ist das vor allem ein Argument gegenüber Eigentümer und Verwaltung. Wer über konkrete Maßnahmen nachdenkt, findet bei der unabhängigen Energieberatung der Bundesländer und bei der Regulierungsbehörde e-control verlässliche Anlaufstellen – e-control betreibt zudem einen Tarifkalkulator, mit dem sich Strom- und Gasanbieter vergleichen lassen, was unabhängig vom Heizverhalten oft die schnellste Ersparnis bringt.

Was bleibt

Die größten Hebel beim Heizen sind unspektakulär und kosten kein Geld: ein bis zwei Grad weniger Raumtemperatur, kurzes kräftiges Stoßlüften statt dauerhaft gekippter Fenster, ein Thermostat, das man einstellt und in Ruhe lässt, und freie Heizkörper. Diese Routinen senken den Verbrauch spürbar und beugen zugleich Schimmel vor, ohne dass die Wohnung an Behaglichkeit verliert – im Gegenteil, trockene Luft bei stabiler Temperatur fühlt sich angenehmer an als überheizte, feuchte. Wo das Verhalten an Grenzen stößt, weil die Anlage ungleich verteilt oder der Tarif zu teuer ist, lohnt der zweite Blick auf Technik und Vertrag. Die Beratungsstellen der Länder und e-control helfen dabei kostenlos weiter – und ersparen einem das Rätselraten, welche der vielen Spartipps im eigenen Fall wirklich zählt.