Strompreisbremse ausgelaufen, Netzkosten regional stark gestiegen: Was sich 2026 in Österreich ändert – und welche Schritte Haushalte jetzt wirklich entlasten.

Energie · 6 Min. LesezeitAktualisiert am

Illustration: KI-generiert

Wer in diesen Wochen seine Jahresabrechnung öffnet, stellt fest, dass die Stromkosten erneut zu den Gesprächsthemen am Küchentisch gehören. Dabei ist die Lage 2026 widersprüchlicher, als es Schlagzeilen oft nahelegen: Manche Belastungen fallen weg, andere steigen kräftig, und beides verteilt sich sehr ungleich über die Bundesländer. Wer verstehen will, warum der Preis sich bewegt – und an welchen Stellschrauben man selbst drehen kann –, sollte die einzelnen Bausteine der Stromrechnung getrennt betrachten.

Denn der Endpreis, den ein Haushalt zahlt, setzt sich aus drei großen Teilen zusammen: dem Energiepreis (also dem reinen Strom, den der Anbieter beschafft), den Netzkosten für Transport und Verteilung sowie Steuern und Abgaben. Diese drei Komponenten entwickeln sich 2026 nicht in dieselbe Richtung – und genau das macht die Diagnose so unübersichtlich.

Die Strompreisbremse ist Geschichte

Der wichtigste Hintergrund vorweg: Die staatliche Strompreisbremse, die während der Energiekrise einen Teil des Verbrauchs verbilligt abdeckte, ist mit Ende 2024 ausgelaufen. Sie wurde nicht verlängert, weil sich die Großhandelspreise weitgehend normalisiert hatten. Für viele Haushalte bedeutet das aber, dass sie seit 2025 wieder den vollen vertraglich vereinbarten Tarif zahlen – ohne das staatliche Polster der Krisenjahre.

Dieser Effekt wirkt zeitversetzt: Wer einen Tarif mit jährlicher Anpassung hat, spürte den Wegfall teils erst mit der Abrechnung 2025 oder 2026 deutlich. Das erklärt, warum sich die Belastung für viele subjektiv erhöht hat, obwohl die reinen Marktpreise eher gefallen sind. Die Krisenhilfe ist verschwunden, der zugrunde liegende Tarif aber bleibt sichtbar.

Wo der Druck 2026 wirklich herkommt: die Netzkosten

Die strukturelle Preisdynamik liegt 2026 weniger beim Energiepreis als bei den Netzentgelten. Diese Gebühren legt die Regulierungsbehörde E-Control fest, und sie steigen 2026 für Haushalte im Schnitt nur um 1,3 Prozent (ORF, 18. Dezember 2025). Das klingt harmlos, verdeckt aber große regionale Unterschiede.

Am stärksten steigen die Stromnetzentgelte im Burgenland mit 15,9 Prozent, in Tirol mit 10,9 Prozent und in Niederösterreich mit 6,9 Prozent. In Salzburg sinken sie um rund 9 Prozent, in Vorarlberg, Kärnten, Wien und der Steiermark leicht (ebenfalls laut ORF auf Basis der E-Control-Verordnung). Sicher ist vor allem die Mechanik dahinter: Der Stromverbrauch ist seit den Krisenjahren stabil bis rückläufig, gleichzeitig investieren die Netzbetreiber stark in Stabilität und in die Integration erneuerbarer Erzeugung; hinzu kommt der wachsende Strombedarf von KI-Rechenzentren in Europa, der die Netze zusätzlich fordert. Höhere Kosten verteilen sich also auf gleich viele oder weniger Kilowattstunden – die Gebühr pro kWh steigt entsprechend.

Wer wissen will, was im eigenen Netzgebiet gilt, sollte sich nicht auf Durchschnittswerte verlassen, sondern den konkreten Tarif des zuständigen Netzbetreibers prüfen. Das Netzentgelt ist ortsgebunden und lässt sich – anders als der Energiepreis – durch einen Anbieterwechsel nicht beeinflussen.

Steuern runter, Netz rauf: die Gegenbewegung

Gegen den Netzkostendruck wirkt 2026 die Steuerseite. Die Elektrizitätsabgabe wurde für Haushalte befristet gesenkt, von 1,5 auf 0,1 Cent pro Kilowattstunde, nur für das Jahr 2026; der Nationalrat hat das am 16. Dezember 2025 beschlossen (Parlamentskorrespondenz). Die Regierungsparteien beziffern die Ersparnis mit durchschnittlich 50 Euro pro Haushalt und Jahr. Auch der Erneuerbaren-Förderbeitrag sinkt 2026 für Haushalte um rund 22 Prozent; für einen Haushalt mit 3.500 kWh sind das laut Wirtschaftsministerium rund 8,60 Euro im Jahr, die Erneuerbaren-Förderpauschale bleibt bis 2027 unverändert (ORF, 25. November 2025).

Unterm Strich heben sich höhere Netzkosten und niedrigere Abgaben teilweise auf – wer profitiert oder draufzahlt, hängt stark vom Bundesland und vom konkreten Tarif ab.

Genau deshalb ist die pauschale Aussage „Strom wird 2026 teurer“ nur die halbe Wahrheit. Korrekter ist: Die Krisenentlastung ist ausgelaufen, der Netzkostenanteil wächst strukturell, und die Steuersenkung dämpft das Ganze – mit einem Ergebnis, das regional sehr unterschiedlich ausfällt. Beim Gas hingegen ist die Richtung eindeutig: Dort steigen die Netzentgelte 2026 im Schnitt um 18,2 Prozent, in Kärnten um 35 Prozent, was bei 15.000 kWh Verbrauch rund 142 Euro Mehrkosten im Jahr bedeutet (ORF, 18. Dezember 2025).

Großhandel günstig, Endkunde teurer – warum die Schere bleibt

Ein häufiges Ärgernis: An der Börse ist Strom heute wieder deutlich billiger als in den Spitzen der Energiekrise; an sonnigen Mittagen rutscht die Börse zeitweise sogar in negative Strompreise. Im Haushaltstarif kommt davon aber nur ein Teil an, und die Endpreise unterscheiden sich je nach Anbieter, Tarif und Netzgebiet stark.

Die Lücke erklärt sich aus der Zusammensetzung: Der reine Beschaffungspreis ist nur ein Teil des Endpreises, dazu kommen Netzkosten, Steuern und Abgaben. Sinkende Börsenpreise schlagen also gedämpft und mit Verzögerung durch. Für Haushalte heißt das: Auf einen automatisch billigeren Strom zu warten, ist keine verlässliche Strategie. Die größeren Hebel liegen woanders.

Was Haushalte konkret tun können

Die gute Nachricht: Bei keinem der drei Preisbausteine ist man völlig machtlos. Es lohnt, die Möglichkeiten der Reihe nach durchzugehen – ohne ideologischen Überbau, einfach als Rechenaufgabe.

Tarif vergleichen und wechseln

Der schnellste Hebel ist der Energiepreis. Die Spanne zwischen teuren Bestandstarifen und günstigen Neukundenangeboten kann beträchtlich sein. Einen unabhängigen Überblick bietet der Tarifkalkulator der E-Control, der unabhängig das günstigste Angebot für den eigenen Verbrauch ermittelt und den Unterschied zum bisherigen Produkt ausweist. Wer seit Jahren denselben Tarif hat, zahlt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu viel. Wichtig ist, dabei auf Vertragsbindung, Preisgarantie und etwaige Neukundenrabatte zu achten, die nach einem Jahr auslaufen können.

Energiegemeinschaften nutzen

Ein zunehmend interessantes Modell sind Energiegemeinschaften, in denen lokal erzeugter Strom – etwa von einer PV-Anlage am Nachbardach – direkt geteilt wird. Für Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften (EEG) entfallen auf den intern bezogenen Strom ein Teil der Netzentgelte sowie bestimmte Abgaben; je nach Reichweite sind die Netzkostenrabatte erheblich. Das ist gerade dort attraktiv, wo die Netzentgelte ohnehin hoch sind. Zu beachten ist, dass sich der rechtliche Rahmen mit dem neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz ab Herbst 2026 ändert – wer einsteigt, sollte sich über die aktuell geltenden Regeln des eigenen Netzbetreibers informieren.

Eigenstrom: Balkonkraftwerk und PV

Wer eigene Erzeugung möchte, ohne gleich ein Dach zu sanieren, findet im Balkonkraftwerk einen niederschwelligen Einstieg. In Österreich gilt eine Obergrenze von 800 Watt; die Anlage ist beim Netzbetreiber zu melden, spätestens zwei Wochen vor Inbetriebnahme, eine Genehmigung braucht es nicht. Was das im Detail heißt und was ein Modul am Balkon liefert, steht in unserem Beitrag zum Balkonkraftwerk. Die Amortisation hängt stark von Ausrichtung, Eigenverbrauch und einer möglichen Förderung ab und sollte nüchtern durchgerechnet werden, bevor man bestellt.

Effizienz: der unspektakuläre Dauerläufer

Schließlich bleibt die schlichteste Maßnahme die wirksamste: weniger verbrauchen. Alte Kühl- und Gefriergeräte, elektrische Warmwasserbereitung und Stand-by-Lasten summieren sich über das Jahr. Wer bereits einen Smart Meter hat, kann solche Dauerläufer in den Viertelstundenwerten leicht aufspüren. Jede nicht verbrauchte Kilowattstunde spart den vollen Endpreis inklusive Netzkosten und Abgaben – also den teuersten, nicht den billigsten Cent. Das ist weniger glamourös als eine Solaranlage, oft aber die rentabelste Einzelmaßnahme.

Fazit

Die Erzählung vom unaufhaltsam steigenden Strompreis greift 2026 zu kurz. Tatsächlich laufen mehrere Entwicklungen gegeneinander: Die Krisenentlastung ist ausgelaufen, die Netzkosten wachsen strukturell und regional sehr ungleich, während gesenkte Abgaben gegensteuern. Für den einzelnen Haushalt entscheidet weniger die bundesweite Schlagzeile als die Kombination aus eigenem Netzgebiet, Tarif und Verbrauch. Wer den Tarifkalkulator der E-Control nutzt, seine Netzkosten kennt und die naheliegenden Effizienzgewinne mitnimmt, hat die wichtigsten Hebel bereits in der Hand – ganz ohne große Investition.

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