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Glossar · Finanzen
Tagesgeld
Eine täglich verfügbare Spareinlage mit variabler Verzinsung — schnelle Liquidität bei voller Einlagensicherung bis 100.000 €, aber jederzeit anpassbarem Zinssatz durch die Bank.
Definition
Tagesgeld ist eine Spareinlage mit täglicher Verfügbarkeit und variabler Verzinsung. Anders als beim Festgeld ist der Anleger nicht an eine Laufzeit gebunden — Auszahlungen sind ohne Frist möglich. Im Gegenzug kann die Bank den Zinssatz jederzeit anpassen, in beide Richtungen.
Rechtlich handelt es sich um eine täglich fällige Sichteinlage im Sinne des österreichischen Bankwesengesetzes (BWG) bzw. des deutschen Kreditwesengesetzes (KWG). Die Einlagen sind bis 100.000 € pro Kunde und Bank durch die nationale Einlagensicherung geschützt — in Österreich über die Einlagensicherung AUSTRIA, in Deutschland über die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB).
Marktlage 2026
Nach der Zinswende der EZB und der Senkung des Einlagensatzes auf 1,75 % Anfang Juni 2026 sind die Spitzenkonditionen am österreichischen Markt deutlich zurückgegangen. Im Frühjahr 2024 wurden bei Direktbanken noch über 4 % p. a. geboten; aktuell (Juni 2026) liegen marktführende Angebote zwischen 1,8 % und 2,4 % für Neukunden, oft mit Aktionszinsen über drei bis sechs Monate.
Wichtig zur Einordnung: Aktionszinsen gelten typischerweise nur für einen Bestandsbetrag (z. B. bis 100.000 €) und für einen begrenzten Zeitraum. Danach fällt der Zinssatz häufig auf 0,3-0,8 %. Wer die höchste Verzinsung will, muss aktiv zwischen Anbietern wechseln — eine Praxis, die in der englischsprachigen Welt als rate-chasing bekannt ist.
Besteuerung in Österreich
Zinserträge aus Tagesgeld unterliegen der österreichischen Kapitalertragsteuer (KESt) in Höhe von 27,5 % seit der Reform 2022 (zuvor 25 % für Sparzinsen). Inländische Banken behalten die Steuer automatisch ein und führen sie an das Finanzamt ab — der Anleger erhält den Nettozins gutgeschrieben.
Anders bei ausländischen Konten innerhalb der EU (z. B. Trade Republic in Deutschland, Revolut in Litauen): Hier ist der Anleger zur Selbstdeklaration verpflichtet und muss die Zinsen in der österreichischen Einkommensteuererklärung angeben. Das Doppelbesteuerungsabkommen schließt eine doppelte Belastung aus, der Verwaltungsaufwand bleibt aber beim Kunden.
Tagesgeld versus Geldmarkt-ETF
Eine zunehmend beliebte Alternative sind Geldmarkt-ETFs wie der Xtrackers EUR Overnight Rate Swap UCITS ETF oder der Amundi Euro Overnight Return UCITS ETF. Diese bilden den €STR-Satz ab — also den unbesicherten Übernacht-Zinssatz im Euroraum — abzüglich einer minimalen TER von rund 0,1 %. Sie sind börsentäglich handelbar, frei von Aktionsbedingungen und ohne Höchstbetrag.