Studienbeihilfe, Selbsterhalterstipendium, Familienbeihilfe, Studienabschluss-Stipendium und ÖH-Sozialfonds 2026 im Überblick: Höhe, Grenzen, Voraussetzungen und Antragswege.

Illustration: KI-generiert
Wer in Österreich studiert, kennt das Rechnen am Monatsende. Miete, ÖffI-Ticket, Lernmaterial, vielleicht ein Auslandssemester – und das alles oft neben einem Nebenjob, der eigentlich nicht den Studienfortschritt bremsen sollte. Der Staat, die Familienkassen und die Hochschüler:innenschaft halten dafür ein ganzes Bündel an Förderungen bereit. Das Problem ist selten, dass es keine Unterstützung gibt. Das Problem ist, dass viele gar nicht wissen, welche Töpfe es gibt, wer Anspruch hat und bis wann man den Antrag stellen muss.
Dieser Überblick ordnet die wichtigsten Instrumente für das Studienjahr 2026/27 – von der staatlichen Studienbeihilfe über das Selbsterhalterstipendium und die Familienbeihilfe bis zum Studienabschluss-Stipendium und dem ÖH-Sozialfonds. Die Beträge stammen aus dem Studienförderungsgesetz und der Valorisierungsverordnung, die seit 1. September 2026 gilt; im Einzelfall entscheidet immer die zuständige Stelle.
Studienbeihilfe: die staatliche Basisförderung
Die Studienbeihilfe ist das zentrale Förderinstrument für Studierende aus einkommensschwächeren Familien. Sie wird von der Studienbeihilfenbehörde vergeben und richtet sich primär danach, wie viel die Eltern verdienen – berücksichtigt aber auch Familiengröße, Wohnsituation, Alter und den eigenen Zuverdienst. Anspruch besteht grundsätzlich nur bei sozialer Bedürftigkeit, einem günstigen Studienerfolg und der Einhaltung der vorgesehenen Studienzeit.
Die Höhe setzt sich aus Bausteinen zusammen. Seit 1. September 2026 beträgt der Grundbetrag 451 Euro im Monat. Er erhöht sich einmalig um 336 Euro für Vollwaisen, verheiratete Studierende, Studierende mit Kind, auswärtige Studierende und alle ab dem 24. Geburtstag. Ab dem 24. Geburtstag kommen weitere 324 Euro dazu, ab dem 27. nochmals 40 Euro, und für jedes Kind 161 Euro (Studienbeihilfen-Valorisierungsverordnung 2026, BGBl. II Nr. 221/2026; Tatbestände nach § 26 Studienförderungsgesetz). Rechnerisch ergibt das für Studierende ab 24 bis zu 1.111 Euro, ab 27 bis zu 1.151 Euro im Monat, Kinderzuschläge nicht eingerechnet – abgezogen wird aber, was die Eltern nach ihrem Einkommen beitragen können. Als auswärtig gilt, wer für das Studium vom Elternwohnsitz wegziehen muss, weil die tägliche Hin- und Rückfahrt nicht zumutbar ist; mehr als je eine Stunde Wegzeit mit den günstigsten Öffis ist das jedenfalls.
Beim eigenen Zuverdienst gilt eine eigene Schwelle. Das Gesetz nennt 15.000 Euro im Jahr, für 2024 waren es abweichend 16.455 Euro, für 2025 17.212 Euro, und für das Kalenderjahr 2026 sind es 17.677 Euro (§ 29 Studienförderungsgesetz samt Anmerkungen). Wer mehr verdient, muss den übersteigenden Betrag zurückzahlen; abgerechnet wird erst, wenn alle Einkommensnachweise des Jahres vorliegen. Hier lohnt sich vor jedem größeren Nebenjob ein Blick auf die aktuell gültigen Werte.
Die genaue Beihilfenhöhe lässt sich vorab nur schwer schätzen, weil so viele Faktoren einfließen. stipendium.at bietet dafür einen Online-Rechner an – die einzige wirklich belastbare Methode, eine Hausnummer zu bekommen.
Es gibt selten zu wenig Förderung. Es gibt zu wenig Wissen darüber, welcher Topf für die eigene Situation passt – und bis wann man zugreifen muss.
Selbsterhalterstipendium: für alle, die schon im Berufsleben standen
Nicht jede:r kommt direkt nach der Matura an die Hochschule. Wer vor dem Studium mehrere Jahre gearbeitet und sich selbst erhalten hat, ist beim klassischen Studienbeihilfen-Modell oft im Nachteil, weil dort das Elterneinkommen zählt. Genau hier setzt das Selbsterhalterstipendium an: Es blendet das Einkommen der Eltern aus und stellt darauf ab, dass die Person sich vor dem Studium selbst finanziert hat.
Das Gesetz verlangt dafür, dass man sich mindestens vier Jahre zur Gänze selbst erhalten und dabei jährlich wenigstens 11.000 Euro verdient hat; Präsenz-, Zivil- und Ausbildungsdienst sowie ein freiwilliges Sozialjahr zählen mit (§ 31 Studienförderungsgesetz). Die maximale Studienbeihilfe nach Selbsterhalt beträgt seit 1. September 2026 1.111 Euro im Monat, nach dem 27. Geburtstag 1.151 Euro (BGBl. II Nr. 221/2026). Wer das Stipendium plant, sollte früh prüfen, ob die geforderte Selbsterhaltungsdauer lückenlos belegbar ist.
Für Menschen, die nach einer Phase im Beruf noch einmal an die Hochschule wollen, ist dieses Stipendium oft das entscheidende Instrument. Wer ohnehin über einen zweiten Bildungsweg nachdenkt, findet auch in unserem Beitrag zur beruflichen Neuorientierung und Umschulung ergänzende Perspektiven.
Familienbeihilfe: kein Stipendium, aber ein wichtiger Baustein
Die Familienbeihilfe ist streng genommen keine Studienförderung, sondern eine Familienleistung – sie wird über das Finanzamt abgewickelt und in der Regel an die Eltern ausgezahlt, kann aber auch direkt an Studierende fließen. Für viele ist sie der verlässlichste fixe Posten im Budget.
Die Familienbeihilfe beträgt für Kinder von 10 bis 18 Jahren 171,80 Euro und ab 19 Jahren 200,40 Euro im Monat. In den Jahren 2026 und 2027 bleiben die Beträge auf dem Niveau von 2025 (Bundeskanzleramt, Höhe der Familienleistungen, 15. Juli 2025). Anspruch besteht bei ernsthaftem, zügig betriebenem Studium und endet mit Erreichen der jeweiligen Altersgrenze.
Achtung bei der Zuverdienstgrenze: Ab dem Kalenderjahr, in dem man 20 Jahre alt wird, darf das zu versteuernde Einkommen seit 2025 höchstens 17.212 Euro im Jahr betragen; wer darüber liegt, muss den übersteigenden Betrag zurückzahlen (oesterreich.gv.at, aktualisiert am 1. Jänner 2026). Diese Grenze ist inzwischen nicht mehr dieselbe wie bei der Studienbeihilfe, die für 2026 auf 17.677 Euro angehoben wurde. Wer Familienbeihilfe und Studienbeihilfe gleichzeitig bezieht, sollte also beide Grenzen im Blick behalten – ein klassischer Punkt, an dem sich eine kurze Beratung bei der Arbeiterkammer oder der ÖH auszahlt.
Studienabschluss-Stipendium und ÖH-Sozialfonds
Zwei weitere Instrumente werden oft übersehen, sind aber für bestimmte Lebenslagen genau richtig.
Das Studienabschluss-Stipendium (SAS) richtet sich an Studierende, die längere Zeit erwerbstätig waren und ihr Studium voraussichtlich innerhalb der nächsten 18 Monate abschließen. Die Idee: Wer kurz vor dem Abschluss steht, soll sich auf die Diplom- oder Masterarbeit konzentrieren können, statt nebenher zu arbeiten. Voraussetzung ist unter anderem, dass man in den letzten vier Jahren mindestens drei volle Jahre zumindest halbbeschäftigt war und das 41. Lebensjahr noch nicht überschritten hat; gewährt wird es für sechs bis achtzehn Monate (§ 52b Studienförderungsgesetz). Seit 1. September 2026 beträgt es je nach vorherigem Einkommen zwischen 873 und 1.496 Euro im Monat (BGBl. II Nr. 221/2026). Wichtig: Es gibt auch hochschuleigene Stipendien mit ähnlichem Namen; gemeint ist hier das gesetzliche SAS.
Der ÖH-Sozialfonds ist das Sicherheitsnetz für akute Notlagen. Er unterstützt Studierende, die ohne eigenes Verschulden in große finanzielle Schwierigkeiten geraten und von keiner anderen Stelle Unterstützung erhalten (oesterreich.gv.at, weitere Förderungsmaßnahmen). Anders als bei der Studienbeihilfe gibt es kein fixes Bewerbungsfenster – Anträge laufen über die Hochschüler:innenschaft. Für unerwartete Ausgaben oder einen kurzfristigen Einkommenseinbruch ist das oft die schnellste Hilfe.
Wege zur Antragstellung: worauf es ankommt
Der wichtigste Hebel ist die Frist. Für die Studienbeihilfe gilt im Wintersemester ein Antragsfenster von 20. September bis 15. Dezember, im Sommersemester von 20. Februar bis 15. Mai. Anträge außerhalb dieser Fristen werden zwar angenommen, wirken aber erst ab dem Monat der Antragstellung (oesterreich.gv.at, Studienbeihilfe) – jeder verpasste Monat kann also bares Geld kosten.
Der Antrag selbst läuft online über die Studienbeihilfenbehörde, mit Anmeldung über ID Austria oder EU Login. Familienbeihilfe wird hingegen über das Finanzamt beantragt, der ÖH-Sozialfonds direkt bei der Hochschulvertretung.
Drei Empfehlungen aus der Praxis: Erstens, früh einreichen und nicht bis zum letzten Tag der Frist warten. Zweitens, sich vor jedem größeren Nebenjob über die jeweils gültige Zuverdienstgrenze informieren. Drittens, die kostenlose Beratung nutzen – die Sozialreferate der ÖH und die Arbeiterkammer prüfen individuelle Ansprüche und helfen beim Antrag. Wer das Studium ohnehin neben dem Beruf stemmt, findet weitere finanzielle Hebel in unserem Beitrag zur Weiterbildung neben dem Job.
Unterm Strich gilt: Die österreichische Förderlandschaft ist dichter, als viele annehmen – aber sie holt niemanden von selbst ab. Wer die Töpfe kennt, die Fristen einhält und im Zweifel nachfragt, lässt deutlich weniger Geld liegen. Und wer schon an die Zeit nach dem Abschluss denkt: Ein Blick auf die wachsende Zahl an Green Jobs in Österreich zeigt, in welchen Feldern gut ausgebildete Absolvent:innen besonders gefragt sind.


