Die alte Bildungskarenz ist Geschichte. Seit 2026 gilt die Weiterbildungszeit mit strengeren Regeln, kein Rechtsanspruch, Antrag ab 8. Juni. Was Beschäftigte jetzt wissen müssen.

Bildung & Karriere · 6 Min. LesezeitAktualisiert am

Illustration: KI-generiert

Wer in Österreich in den vergangenen Jahren ein Studium nachholen, eine Umschulung starten oder schlicht ein Jahr „raus aus dem Job, rein in die Weiterbildung“ wollte, kannte die Bildungskarenz. Sie galt lange als eines der großzügigsten Weiterbildungsinstrumente Europas: bezahlte Auszeit, finanziert über das AMS, mit Rechtsanspruch und überschaubaren Auflagen. Diese Ära ist vorbei. Das alte Modell wurde im Zuge der Budgetsanierung abgeschafft, an seine Stelle tritt 2026 die deutlich strengere „Weiterbildungszeit“. Wer heute mit dem Gedanken an eine Bildungsauszeit spielt, sollte die neuen Spielregeln genau kennen – denn sie unterscheiden sich in fast jedem Detail vom Vorgängermodell.

Was wegfiel: das Ende von Bildungskarenz und Bildungsteilzeit

Der Schnitt kam Anfang 2025. Der Nationalrat beschloss am 7. März 2025 mit dem Budgetsanierungsmaßnahmengesetz 2025 das Aus für Bildungskarenz und Bildungsteilzeit in ihrer bisherigen Form: Weiterbildungsgeld und Bildungsteilzeitgeld liefen mit 31. März 2025 aus. Die Regierung begründete das mit Evaluierungen, die kaum oder sogar negative Effekte auf Beschäftigung und Einkommen gezeigt hätten – und mit den Kosten, die von rund 236 Millionen Euro im Jahr 2019 auf 646 Millionen Euro im Jahr 2024 gestiegen waren (Parlamentskorrespondenz Nr. 119 vom 7. März 2025).

Eine Übergangsregel gab es für alle, die schon fest geplant hatten: Vereinbarungen, die bis Ende Februar 2025 abgeschlossen waren, blieben gedeckt, sofern die Bildungsmaßnahme spätestens am 31. Mai 2025 begann. Wer hingegen erst jetzt einsteigen will, bewegt sich vollständig im neuen System.

Was 2026 gilt: die Weiterbildungszeit

Nachfolgerin ist die „Weiterbildungszeit“ samt ihrer Teilzeitvariante, der „Weiterbildungsteilzeit“. Das Geld dazu heißt Weiterbildungsbeihilfe beziehungsweise Weiterbildungsteilzeitbeihilfe und kommt weiterhin vom AMS. Grundlage ist eine Vereinbarung mit dem Arbeitgeber nach § 11 oder § 11a Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz (AVRAG).

Ein praktischer Hinweis zum Zeitplan: Beantragen lässt sich die Beihilfe erst seit 8. Juni 2026, über MeinAMS oder persönlich in der AMS-Geschäftsstelle; der früheste geförderte Beginn ist ebenfalls der 8. Juni 2026 (AMS, Weiterbildungszeit und Weiterbildungsteilzeit, aktualisiert am 23. Juni 2026). Anträge können frühestens drei Monate vor Beginn der Weiterbildung gestellt werden (AMS Burgenland, 9. Juni 2026).

Der vielleicht wichtigste Unterschied zum alten Modell betrifft die Grundlogik: Es gibt keinen Rechtsanspruch mehr auf die Förderung. Selbst wenn man sich mit dem Arbeitgeber auf eine Weiterbildungszeit einigt, entscheidet das AMS anhand des Bildungsplans, ob das Vorhaben arbeitsmarktrelevant und förderwürdig ist. Österreichweit stehen 150 Millionen Euro zur Verfügung, und es gilt „first come, first serve“, wie das AMS Burgenland festhält. Aus einem Quasi-Automatismus ist eine Ermessensentscheidung geworden.

Die neuen Voraussetzungen im Detail

Die Hürden liegen spürbar höher als früher. Wer Weiterbildungsbeihilfe beziehen will, muss laut AMS im Wesentlichen folgende Bedingungen erfüllen:

  • Beschäftigungsdauer: bei Antragstellung mindestens zwölf Monate durchgehend vollversicherungspflichtig beim aktuellen Arbeitgeber in Österreich. Für Saisonbetriebe gelten Sonderregeln, und wer schon ein Master- oder Diplomstudium abgeschlossen hat, braucht insgesamt vier Jahre vollversicherte Beschäftigung.
  • Mindestdauer und -umfang: Die Weiterbildung muss mindestens zwei Monate dauern und mindestens 20 Wochenstunden umfassen, bei einem Studium 20 ECTS pro Semester. Fehlt eine Kinderbetreuungsmöglichkeit, reichen 16 Wochenstunden beziehungsweise ECTS. Gefördert wird höchstens ein Jahr innerhalb von vier Jahren.
  • Verpflichtende Bildungsberatung: Wer weniger verdient als die halbe ASVG-Höchstbeitragsgrundlage von 3.465 Euro brutto im Monat (Wert 2026), muss vorher eine Bildungsberatung in einem BerufsInfoZentrum des AMS absolvieren.
  • Arbeitsmarktrelevanz: Gefördert werden Aus- und Weiterbildungen, die arbeitsmarktrelevant und überbetrieblich verwertbar sind; Studien nur bei Inskription an einer österreichischen Hochschule.

Wer die Auszeit für ein reguläres Hochschulstudium nutzt, sollte zudem prüfen, ob parallel Studienbeihilfe oder andere Förderungen infrage kommen.

Bei der Höhe orientiert sich die Beihilfe an einem einkommensabhängigen Stufenmodell nach der allgemeinen Beitragsgrundlage, also dem monatlichen Bruttoeinkommen:

Monatliches Bruttoeinkommen (Beitragsgrundlage) Tagsatz gesamt davon Arbeitgeber
551,11 bis 1.571,31 Euro 41,49 Euro –
1.571,32 bis 2.053,99 Euro 43,09 Euro –
2.054,00 bis 2.567,49 Euro 44,61 Euro –
2.567,50 bis 3.080,99 Euro 47,28 Euro –
3.081,00 bis 3.464,99 Euro 54,18 Euro –
3.465,00 bis 3.594,49 Euro 54,18 Euro 8,12 Euro
3.594,50 bis 4.107,99 Euro 60,62 Euro 9,09 Euro
4.108,00 bis 4.621,49 Euro 66,71 Euro 10,00 Euro
ab 4.621,50 Euro 69,77 Euro 10,46 Euro

Quelle: AMS, Pauschalsatztabelle zur Weiterbildungsbeihilfe gemäß § 37e AMSG, Stand Jänner 2026.

Was Arbeitgeber jetzt zahlen

Eine zentrale Neuerung betrifft die Unternehmen. War die alte Bildungskarenz für Arbeitgeber praktisch kostenneutral, müssen sie sich nun beteiligen: Liegt das Einkommen über der halben Höchstbeitragsgrundlage von 3.465 Euro (Wert 2026), übernimmt der Arbeitgeber 15 Prozent der Weiterbildungsbeihilfe – in der Tabelle oben die rechte Spalte. Die Idee dahinter ist, dass auch Betriebe ein finanzielles Interesse daran haben sollen, dass die geförderte Weiterbildung tatsächlich zum Job passt.

Für die Teilzeitvariante gilt eigene Logik: Bei der Weiterbildungsteilzeit wird die Arbeitszeit um mindestens 25 und höchstens 50 Prozent reduziert, und die Beihilfe entspricht dem Ausmaß der Reduktion. Die Ausbildung muss mindestens vier Monate dauern und mindestens 10 Wochenstunden umfassen (bei einem Studium 10 ECTS pro Semester, ohne Kinderbetreuungsmöglichkeit 8). Gefördert wird hier bis zu zwei Jahre innerhalb von vier Jahren, während die volle Weiterbildungszeit auf ein Jahr je vier Jahre begrenzt ist (AMS).

Aus einem Rechtsanspruch ist eine Ermessensentscheidung geworden – und aus einem fast kostenlosen Instrument eines, das Beschäftigte, Arbeitgeber und AMS gemeinsam in die Pflicht nimmt.

Wer durch den Rost fällt: Eltern und das Budget-Limit

Die schärfste Kritik richtet sich auf zwei Punkte. Erstens das gedeckelte Budget: 2024 kostete die alte Bildungskarenz 646 Millionen Euro, für das neue Modell stehen 150 Millionen Euro im Jahr zur Verfügung. Ist der Topf ausgeschöpft, geht der Rest leer aus – unabhängig davon, wie sinnvoll das Vorhaben wäre.

Zweitens trifft die Reform Eltern, besonders Frauen, besonders hart. Die früher beliebte Variante, direkt im Anschluss an die Elternkarenz in Bildungskarenz zu gehen und so das zweite Babyjahr zu überbrücken, gibt es nicht mehr. Wer in den letzten 26 Wochen vor Ausbildungsbeginn Kinderbetreuungs- oder Wochengeld bezogen hat, bekommt keine Weiterbildungsbeihilfe (AMS). Für viele Familien bricht damit ein Modell weg, das jahrelang als verlängerte, sinnvoll genutzte Auszeit nach der Geburt diente. Wer in dieser Situation steckt, sollte sich frühzeitig bei der Arbeiterkammer beraten lassen und Alternativen prüfen.

Lohnt sich der Weg überhaupt noch?

Trotz aller Verschärfungen bleibt die Weiterbildungszeit für viele eine ernsthafte Option – nur eben eine, die mehr Planung verlangt. Wer ein klares, arbeitsmarktrelevantes Ausbildungsziel hat, die Zwölf-Monats-Frist erfüllt und den Arbeitgeber an Bord holt, kann weiterhin gefördert aussteigen oder reduzieren. Entscheidend ist, früh zu rechnen, den Antrag sauber vorzubereiten und nicht davon auszugehen, dass die Förderung automatisch kommt.

Für alle, die ohnehin schwanken, ob eine komplette Auszeit der richtige Weg ist, lohnt der Blick auf flexiblere Formate. Wir haben zusammengetragen, wie sich Weiterbildung neben dem Job organisieren lässt – oft mit weniger bürokratischem Aufwand. Und wer die Auszeit für einen echten Neustart nutzen will, findet im Beitrag zur beruflichen Neuorientierung und Umschulung Orientierung.

Klar ist: Das neue Modell ist kein Selbstläufer mehr. Wer es nutzen will, muss früher planen, genauer nachweisen und mit dem AMS verhandeln. Die verbindliche Auskunft zum eigenen Fall – Höhe, Dauer, Förderfähigkeit – gibt es nur dort und bei der Arbeiterkammer. Dieser Beitrag ersetzt keine Beratung, sondern soll den Überblick erleichtern, wer 2026 in einem deutlich veränderten System steht.

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