Seit Jänner 2025 gilt in Österreich Einwegpfand: 25 Cent auf Plastikflaschen und Dosen. Wie das System funktioniert, was bepfandet ist – und die erste Bilanz.

Rücknahmeautomaten für Einweg- und Mehrwegpfand in Schwarzach, Vorarlberg, Oktober 2025.
Foto: Asurnipal, CC BY-SA 4.0, Ausschnitt
Seit dem 1. Jänner 2025 zahlt man in Österreich auf fast jede Einweg-Plastikflasche und jede Getränkedose 25 Cent extra – und bekommt sie bei der Rückgabe wieder zurück. Anderthalb Jahre später ist das anfängliche Hin und Her an den Kassen weitgehend Routine geworden. Trotzdem tauchen im Alltag immer noch dieselben Fragen auf: Welche Flasche ist eigentlich bepfandet und welche nicht? Wo gebe ich die leeren Gebinde zurück? Und was passiert, wenn das Etikett fehlt? Dieser Beitrag erklärt das System Schritt für Schritt – und zieht eine erste nüchterne Bilanz.
Was das Einwegpfand soll – und woher es kommt
Das österreichische Einwegpfand ist kein nationaler Alleingang, sondern Teil einer EU-weiten Linie. Die Einwegkunststoff-Richtlinie der Europäischen Union schreibt vor, dass bis 2029 90 Prozent der Einweg-Getränkeflaschen aus Kunststoff getrennt gesammelt werden (Richtlinie (EU) 2019/904, Artikel 9). Vor dem Pfand wurden in Österreich nur rund 70 Prozent aller Einwegkunststoffflaschen gesammelt (oesterreich.gv.at, aktualisiert am 1. Jänner 2026). Eine so hohe Sammelquote wie die von der EU verlangte wird nach Angaben des Systembetreibers nur in Ländern mit Pfandsystemen erreicht. Österreich hat sich – wie zuvor schon Deutschland, Skandinavien und die baltischen Staaten – für diesen Weg entschieden.
Zwei Ziele stehen im Vordergrund. Erstens hochwertiges Recycling: Wer Flaschen sortenrein zurückbringt, liefert sauberes Material, aus dem sich neue Flaschen herstellen lassen. Zweitens weniger Littering, also das achtlose Wegwerfen in der Natur. Eine Dose mit einem Geldwert von 25 Cent landet seltener im Straßengraben – das ist die Grundidee. Betrieben wird das System von der zentralen Stelle EWP Recycling Pfand Österreich; Eigentümer ist ein Trägerverein, dem alle Produzenten und Rücknehmer beitreten können, und das Umweltministerium hat umfassende Mitwirkungs- und Kontrollrechte. Die Logik ähnelt dem Versuch, Lebensmittelabfälle im Haushalt zu reduzieren: kleine Alltagsroutinen, die sich in Summe zu großen Mengen addieren.
Wie viel Pfand, auf welche Verpackung
Das Pfand beträgt einheitlich 25 Cent pro Verpackung und wird beim Kauf zusätzlich zum Produktpreis eingehoben. Bei der Rückgabe der leeren Verpackung bekommt man die 25 Cent wieder ausbezahlt. Der Betrag ist unabhängig von der Größe: Auf die 0,5-Liter-Flasche fällt genauso viel Pfand wie auf die 1,5-Liter-Flasche.
Bepfandet sind grundsätzlich geschlossene Getränkeverpackungen aus Kunststoff oder Metall mit einer Füllmenge von 0,1 bis 3 Litern. Das betrifft den Großteil der typischen Getränke: Mineralwasser, Limonaden, Eistee, Energy-Drinks, viele Säfte und Bier in der Dose. Erkennbar sind diese Gebinde am österreichischen Pfandlogo (oesterreich.gv.at).
Was nicht bepfandet ist
Hier lohnt der genaue Blick, weil die Ausnahmen für Verwirrung sorgen. Milch und Milchmixgetränke sind aus hygienischen Gründen ausgenommen, Sirupe ebenfalls, weil sie nicht für den unmittelbaren Verzehr bestimmt sind – wer also Kuhmilch in der Plastikflasche kauft, zahlt kein Pfand. Die Pfandpflicht gilt aber grundsätzlich für alle Getränkearten; pflanzliche Drinks wie Hafer- oder Sojadrink sind in der Liste der Ausnahmen nicht genannt. Diese Unterscheidung ist nicht immer intuitiv und erklärt einen Teil der Nachfragen an den Kassen.
Ebenfalls nicht bepfandet sind Getränkeverbundkartons (also die klassische Tetra-Pak-Verpackung), Getränkeflaschen aus Glas oder Metall mit Verschlüssen oder Deckeln aus Kunststoff sowie Flaschen für Beikost und für flüssige Lebensmittel zu besonderen medizinischen Zwecken. Mehrweg-Glasflaschen laufen weiterhin über das eigene, ältere Mehrwegpfand und sind nicht Teil des neuen Systems.
Faustregel für den Alltag: Pfandlogo drauf heißt Pfand bezahlt – und Pfand zurück. Ist kein Logo zu sehen, gehört die Verpackung in die getrennte Sammlung, nicht in den Automaten.
So läuft die Rückgabe ab
Das Prinzip ist einfach: Alle Verkaufsstellen, die bepfandete Einwegverpackungen ausgeben, müssen sie auch wieder zurücknehmen – also Supermärkte, Diskonter, Drogeriemärkte, Tankstellen und viele kleinere Geschäfte. An stark besuchten Orten wie Einkaufszentren, Bahnhöfen oder Flughäfen können mehrere Verkaufsstellen eine gemeinsame Rücknahmestelle in unmittelbarer Nähe einrichten. In größeren Märkten stehen dafür Rücknahmeautomaten, die Logo und Barcode scannen und das Pfand auf einen Bon gutschreiben. Kleinere Verkaufsstellen ohne Automat nehmen die Flaschen und Dosen manuell entgegen und zahlen das Pfand direkt aus.
Ein Detail, das im Alltag oft übersehen wird: Bei der manuellen Rücknahme muss eine Verkaufsstelle die Verpackungen nur in der üblichen Verkaufsmenge und Füllmenge zurücknehmen – das betrifft etwa Bäckereien. Wer einen großen Sack gemischter Dosen loswerden will, fährt also besser zum Automaten. An Getränkeautomaten zahlt man das Pfand zwar mit, gibt die leere Verpackung aber bei einer anderen Verkaufsstelle zurück.
Damit der Automat eine Verpackung akzeptiert, müssen ein paar Bedingungen erfüllt sein: Das Pfandlogo und der Barcode müssen deutlich erkennbar, die Verpackung leer und unzerdrückt sein, und das Etikett muss vorhanden und lesbar bleiben. Wer eine Flasche zusammenpresst oder das Etikett abzieht, riskiert, dass der Automat sie verweigert. Für die Gastronomie gibt es eine Sonderregel: Restaurants, Cafés, Beherbergungsbetriebe oder Imbissstände, aus denen Getränke üblicherweise nicht mitgenommen werden, müssen für Verpackungen, die vor Ort bleiben, kein Pfand einheben und auch nichts zurücknehmen (oesterreich.gv.at).
Erste Bilanz: Das Ziel ist übertroffen
Nach dem ersten vollen Jahr fällt die Bilanz positiv aus. Laut Recycling Pfand Österreich, die die Zahlen am 28. Jänner 2026 gemeinsam mit Umweltminister Norbert Totschnig präsentierte, wurde im Premierenjahr eine Sammelquote von 81,5 Prozent erreicht – die Pfandverordnung hatte für 2025 80 Prozent vorgesehen. In absoluten Zahlen: Rund zwei Milliarden Pfandflaschen und -dosen wurden 2025 in Verkehr gesetzt, 1,4 Milliarden kamen bis 31. Dezember zurück. In die Quote rechnet der Betreiber dabei die unterschiedlichen Gewichte der Gebinde und eine mittlere Verweildauer von 51 Tagen zwischen Verkauf und Rückgabe ein – Getränke, die im Dezember gekauft wurden, kehren oft erst im neuen Jahr zurück.
Auch die Infrastruktur steht: Rund 16.300 Rückgabestellen und mehr als 6.400 Automaten sind laut Betreiber im Einsatz, und 98 Prozent der Gebinde werden über Automaten im Handel zurückgegeben (Recycling Pfand Österreich, 28. Jänner 2026). Bei der Materialqualität verweist Recycling Pfand Österreich auf eine Recyclingfähigkeit der Verpackungen von 99,5 Prozent und einen Rezyklatanteil von über 60 Prozent bei allen in Verkehr gesetzten Einwegflaschen – die EU verlangt seit 2025 mindestens 25 Prozent recycelten Kunststoff in PET-Getränkeflaschen (Recycling Pfand Österreich, 23. März 2026). Das nächste Etappenziel liegt bei 90 Prozent Sammelquote bis 2027; damit will Österreich die EU-Vorgabe zwei Jahre früher als gefordert erfüllen (Land Tirol, 28. Jänner 2026).
Was noch hakt
Bei aller positiven Bilanz bleiben Reibungspunkte. Wer zu Stoßzeiten kommt, steht mitunter vor einem vollen oder gestörten Automaten. Im öffentlichen Raum konsumierte Getränke landen häufig weiter im Mistkübel statt im Pfandkreislauf – was dazu führt, dass Menschen den Pfandwert durch das Durchsuchen von Mülleimern erlösen. Und Flaschen und Dosen aus dem Ausland ohne österreichisches Pfandlogo nimmt der Handel nicht zurück; sie gehören in die herkömmliche Sammlung, etwa in den Gelben Sack.
Unterm Strich ist das Einwegpfand ein Baustein einer größeren Logik: Es soll Verpackungen aus dem Restmüll und der Natur holen und als sauberen Rohstoff zurück in den Kreislauf bringen. Wie es sich in die übrigen Stellschrauben einfügt, zeigt der Blick auf die Kreislaufwirtschaft im Alltag. Wer den Pfandkreislauf zu Ende denkt, kommt zudem unweigerlich zur naheliegendsten Variante – nämlich, Plastik im Alltag von vornherein zu vermeiden, bevor überhaupt eine Einwegflasche im Einkaufswagen landet.


