Seit dem 1. Jänner 2025 zahlt man in Österreich auf fast jede Einweg-Plastikflasche und jede Getränkedose 25 Cent extra – und bekommt sie bei der Rückgabe wieder zurück. Anderthalb Jahre später ist das anfängliche Hin und Her an den Kassen weitgehend Routine geworden. Trotzdem tauchen im Alltag immer noch dieselben Fragen auf: Welche Flasche ist eigentlich bepfandet und welche nicht? Wo gebe ich die leeren Gebinde zurück? Und was passiert, wenn das Etikett fehlt? Dieser Beitrag erklärt das System Schritt für Schritt – und zieht eine erste nüchterne Bilanz.

Was das Einwegpfand soll – und woher es kommt

Das österreichische Einwegpfand ist kein nationaler Alleingang, sondern Teil einer EU-weiten Linie. Die Einwegkunststoff-Richtlinie der Europäischen Union schreibt vor, dass bis 2029 mindestens 90 Prozent der Einweg-Getränkeflaschen aus Kunststoff getrennt gesammelt werden müssen. Ein Pfand gilt international als das wirksamste Instrument, um solche Quoten zu erreichen. Österreich hat sich – wie zuvor schon Deutschland, Skandinavien und die baltischen Staaten – für diesen Weg entschieden.

Zwei Ziele stehen im Vordergrund. Erstens hochwertiges Recycling: Wer Flaschen sortenrein zurückbringt, liefert sauberes Material, aus dem sich neue Flaschen herstellen lassen. Zweitens weniger Littering, also das achtlose Wegwerfen in der Natur. Eine Dose mit einem Geldwert von 25 Cent landet seltener im Straßengraben – das ist die Grundidee. Betrieben wird das System von der eigens gegründeten Recycling Pfand Österreich, in die Handel und Getränkewirtschaft gemeinsam eingebunden sind.

Wie viel Pfand, auf welche Verpackung

Das Pfand beträgt einheitlich 25 Cent pro Verpackung und wird beim Kauf zusätzlich zum Produktpreis eingehoben. Bei der Rückgabe der leeren Verpackung bekommt man die 25 Cent wieder ausbezahlt. Der Betrag ist unabhängig von der Größe: Auf die 0,5-Liter-Flasche fällt genauso viel Pfand wie auf die 1,5-Liter-Flasche.

Bepfandet sind grundsätzlich Einweg-Kunststoffflaschen und Metalldosen mit einem Füllvolumen zwischen 0,1 und 3 Litern. Das betrifft den Großteil der typischen Getränke: Mineralwasser, Limonaden, Eistee, Energy-Drinks, viele Säfte und Bier in der Dose. Erkennbar sind diese Gebinde an einem einheitlichen Pfandlogo, das laut Recycling Pfand Österreich verpflichtend auf jeder pfandpflichtigen Verpackung aufgedruckt ist.

Was nicht bepfandet ist

Hier lohnt der genaue Blick, weil die Ausnahmen für Verwirrung sorgen. Milch und Sirup sind ausgenommen – wer also Kuhmilch in der Plastikflasche kauft, zahlt kein Pfand. Pflanzliche Milchalternativen wie Hafer- oder Sojadrink fallen dagegen sehr wohl unter die Pfandpflicht. Diese Unterscheidung ist nicht immer intuitiv und erklärt einen Teil der Nachfragen an den Kassen.

Ebenfalls nicht bepfandet sind laut den zuständigen Stellen Getränkeverbundkartons (also die klassische Tetra-Pak-Verpackung), Glasflaschen sowie Metallflaschen mit Kunststoffverschluss. Auch Verpackungen für Beikost und für flüssige Lebensmittel zu besonderen medizinischen Zwecken sind ausgenommen. Mehrweg-Glasflaschen laufen weiterhin über das eigene, ältere Mehrwegpfand und sind nicht Teil des neuen Systems.

Faustregel für den Alltag: Pfandlogo drauf heißt Pfand bezahlt – und Pfand zurück. Ist kein Logo zu sehen, gehört die Verpackung in die getrennte Sammlung, nicht in den Automaten.

So läuft die Rückgabe ab

Das Prinzip ist einfach: Zurückgeben kann man die leeren Gebinde überall dort, wo solche Verpackungen verkauft werden – also in Supermärkten, bei Diskontern, in Drogeriemärkten, an Tankstellen und in vielen kleineren Geschäften. In größeren Märkten stehen dafür Rücknahmeautomaten, die Logo und Barcode scannen und das Pfand auf einen Bon gutschreiben. Kleinere Verkaufsstellen ohne Automat nehmen die Flaschen und Dosen manuell entgegen und zahlen das Pfand direkt aus.

Ein Detail, das im Alltag oft übersehen wird: Bei der manuellen Rücknahme muss ein Geschäft nur jene Verpackungsarten und nur die haushaltsübliche Menge zurücknehmen, die es selbst auch im Sortiment hat. Wer einen großen Sack gemischter Dosen loswerden will, fährt also besser zum Automaten. Ausdrücklich keine Rücknahmepflicht gilt etwa für Getränkeautomaten sowie für Post- und Paketzustellung.

Damit der Automat eine Verpackung akzeptiert, müssen ein paar Bedingungen erfüllt sein: Das Pfandlogo und der Barcode müssen erkennbar, die Verpackung leer und unzerdrückt sein, und das Etikett muss vollständig vorhanden und lesbar bleiben. Wer eine Flasche zusammenpresst oder das Etikett abzieht, riskiert, dass der Automat sie verweigert. Für die Gastronomie gibt es eine Sonderregel: Restaurants, Cafés oder Imbissstände, aus denen Getränke üblicherweise nicht mitgenommen werden, müssen kein Pfand einheben und auch nichts zurücknehmen.

Erste Bilanz: Das Ziel ist übertroffen

Nach dem ersten vollen Jahr fällt die offizielle Bilanz positiv aus. Laut Recycling Pfand Österreich wurde im Premierenjahr eine Sammelquote von 81,5 Prozent erreicht – die Pfandverordnung hatte für 2025 erst 80 Prozent vorgesehen. In absoluten Zahlen: Rund zwei Milliarden pfandpflichtige Getränkeverpackungen wurden 2025 in Verkehr gebracht, etwa 1,4 Milliarden Flaschen und Dosen kamen bis Jahresende zurück. In die Quote rechnet der Betreiber dabei eine mittlere Verweildauer von rund 51 Tagen zwischen Verkauf und Rückgabe ein – Getränke, die im Dezember gekauft wurden, kehren oft erst im neuen Jahr zurück.

Auch die Infrastruktur steht: Rund 16.300 Rückgabestellen und mehr als 6.400 Automaten sind laut Betreiber im Einsatz. Bei der Materialqualität verweist Recycling Pfand Österreich auf eine Recyclingfähigkeit der Verpackungen von 99,5 Prozent und einen Rezyklatanteil bei Kunststoffflaschen von über 60 Prozent – deutlich mehr, als die EU derzeit vorschreibt. Das nächste Etappenziel liegt bei 90 Prozent Sammelquote bis 2027; damit will Österreich die EU-Vorgabe zwei Jahre früher als gefordert erfüllen.

Was noch hakt

Bei aller positiven Bilanz gibt es Kritikpunkte, die nicht unter den Tisch fallen sollten. In Berichten österreichischer Medien ist immer wieder von defekten oder überfüllten Automaten und von Wartezeiten die Rede, vor allem zu Stoßzeiten. Behindertenvertretungen weisen darauf hin, dass Automaten und Kennzeichnung für Menschen mit Sehbehinderung schwer zugänglich sind. Und im öffentlichen Raum konsumierte Getränke landen häufig weiter im Mistkübel statt im Pfandkreislauf – was dazu führt, dass Menschen den Pfandwert durch das Durchsuchen von Mülleimern erlösen. Auch in Grenzregionen meldete der Handel zeitweise einen spürbaren Rückgang beim Verkauf von Dosenbier.

Unterm Strich ist das Einwegpfand ein Baustein einer größeren Logik: Es soll Verpackungen aus dem Restmüll und der Natur holen und als sauberen Rohstoff zurück in den Kreislauf bringen. Wie es sich in die übrigen Stellschrauben einfügt, zeigt der Blick auf die Kreislaufwirtschaft im Alltag. Wer den Pfandkreislauf zu Ende denkt, kommt zudem unweigerlich zur naheliegendsten Variante – nämlich, Plastik im Alltag von vornherein zu vermeiden, bevor überhaupt eine Einwegflasche im Einkaufswagen landet.