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Glossar · Finanzen
Robo-Advisor
Eine digitale Vermögensverwaltung, die nach standardisierten Risikoprofilen automatisch ein Portfolio aus ETFs aufbaut, laufend rebalanciert und steuerlich optimiert — ohne persönlichen Berater.
Was ein Robo-Advisor ist
Ein Robo-Advisor ist eine digitale Vermögensverwaltung, die nach standardisierten Risikoprofilen automatisch ein Portfolio aus ETFs — seltener aus Einzeltiteln — aufbaut, laufend rebalanciert und steuerlich optimiert. Statt eines persönlichen Beraters führt ein Algorithmus den Anleger durch einen Online-Fragebogen, ermittelt Risikobereitschaft und Anlagehorizont und ordnet ihn anschließend einer Modellstrategie zu.
Rechtlich treten Robo-Advisor entweder als Vermögensverwalter mit Konzession nach dem österreichischen Wertpapieraufsichtsgesetz (WAG 2018) auf, als Anlageberater oder als Anlagevermittler mit reduziertem Pflichtenkatalog. Diese Unterscheidung ist wichtig: Nur ein konzessionierter Vermögensverwalter darf eigenständig Käufe und Verkäufe für den Anleger durchführen.
Anbieter im DACH-Raum
Der österreichische Markt ist überschaubar. Die wichtigsten Anbieter sind:
- Savity (Wien) — vollständige Vermögensverwaltung nach WAG 2018, Mindestanlage 500 €, Gebühr 0,99-1,2 % p. a. inkl. ETF-Kosten.
- Carl (Wien) — auf Selbstständige und Erbschaftsplanung spezialisiert.
- Scalable Capital (München) — größter europäischer Anbieter, in Österreich über Filiale aktiv, Gebühr 0,75 % p. a. plus TER der enthaltenen ETFs.
Im deutschen Markt dominieren Scalable, Quirion, Whitebox und VisualVest. Der US-Marktführer Betterment ist im DACH-Raum nicht aktiv.
Was den Algorithmus prägt
Hinter der Marketingsprache verbergen sich meist klassische Konstrukte der modernen Portfoliotheorie: Mean-Variance-Optimierung nach Markowitz, Black-Litterman-Modelle für Renditeerwartungen oder schlicht ein Lifecycle-Ansatz, bei dem die Aktienquote mit zunehmendem Alter sinkt. Die meisten Anbieter bieten fünf bis zehn Risikoklassen mit Aktienquoten zwischen 20 % und 100 % an.
Rebalancing erfolgt entweder zeitbasiert (z. B. quartalsweise) oder schwellenbasiert (bei Abweichung von mehr als 5 % zur Zielallokation). Studien zeigen, dass schwellenbasiertes Rebalancing langfristig etwa 0,1-0,3 % Mehrrendite gegenüber starren Zeitintervallen liefern kann.
Kostenrealität
Die effektive Gesamtbelastung eines Robo-Advisors liegt typischerweise zwischen 0,8 % und 1,5 % p. a. des Anlagevolumens — Verwaltungsgebühr plus TER der enthaltenen ETFs. Ein selbst aufgebautes ETF-Depot ist mit 0,1-0,3 % deutlich günstiger. Der Mehrpreis bezahlt automatisches Rebalancing, steuerliche Optimierung und vor allem die Vermeidung emotionaler Fehlentscheidungen — was bei vielen Privatanlegern den größten realen Renditegewinn bringt.