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Neobroker

Ein digital-only Wertpapierbroker ohne Filialnetz, der den Wertpapier- und Krypto-Handel über App oder Web zu sehr niedrigen oder Null-Gebühren anbietet — finanziert über PFOF, Zinsmargen und Abonnements.

Definition

Ein Neobroker ist ein digital-only Wertpapierbroker ohne Filialnetz, der den Wertpapierhandel über eine Smartphone-App oder Web-Oberfläche zu sehr niedrigen oder Null-Gebühren anbietet. Im Unterschied zu klassischen Direktbanken verzichten Neobroker auf eigenes Banking-Geschäft (Girokonten, Kredite) und konzentrieren sich auf den reinen Wertpapier- und Krypto-Handel.

Das Geschäftsmodell stützt sich überwiegend auf drei Säulen: Payment for Order Flow (PFOF) — Zahlungen von Market Makern für die Weiterleitung von Ordern, Zinsen auf nicht investierte Kundengelder und Premium-Abonnements mit erweitertem Funktionsumfang.

Marktteilnehmer im DACH-Raum

Die wichtigsten Anbieter in Österreich und Deutschland sind:

  • Trade Republic (Berlin, BaFin-lizenziert) — Marktführer mit über 4 Mio. Kunden, 1 € pro Order, Sparpläne ab 1 €, Krypto-Handel seit 2022.
  • Scalable Capital (München) — Hybridmodell Broker + Robo-Advisor, Free-Trades im PRIME+-Abo (4,99 €/Monat).
  • Bitpanda Stocks (Wien) — Aktien- und ETF-Bruchstückshandel ab 1 €, gleiche Oberfläche wie Krypto-Plattform.
  • Flatex (Frankfurt) — älterer Player mit Neobroker-ähnlicher Preisstruktur, aber breiterem Produktangebot inkl. Derivaten.

Mit Robinhood ist seit Ende 2024 auch der US-Pionier in mehreren EU-Märkten aktiv, allerdings noch nicht offiziell in Österreich.

Regulatorisches Spannungsfeld: PFOF-Verbot

Die EU-Regulierung MiFIR-Reform von 2024 hat Payment for Order Flow ab Juli 2026 EU-weit verboten — eine Folge intensiver Lobby-Arbeit der traditionellen Börsen und Verbraucherschützer, die darin einen Interessenkonflikt zulasten der Anleger sehen. Neobroker müssen ihr Geschäftsmodell anpassen: einige (Scalable, Trade Republic) experimentieren bereits mit höheren Spreads, Order-Gebühren oder Abomodellen.

Die ESMA und nationale Aufsichtsbehörden (FMA in Österreich, BaFin in Deutschland) überwachen die Umstellung. Für Anleger ist relevant: Tatsächliche Ausführungspreise und versteckte Spreads sollten ab Juli 2026 genauer mit alternativen Brokern verglichen werden.

Steuerliche Falle für Österreicher

Ein zentraler Punkt: Die meisten Neobroker haben keine Konzession als depotführende Stelle in Österreich. Sie führen die KESt damit nicht automatisch an das österreichische Finanzamt ab. Der Anleger muss seine Erträge selbst in der Einkommensteuererklärung deklarieren (Anlage E-1kv) — ein häufig unterschätzter Aufwand.

Bitpanda Stocks bildet eine Ausnahme: Als österreichisches Unternehmen unter FMA-Aufsicht behält es die KESt direkt ein und übernimmt damit den klassischen Komfort einer inländischen Bank.