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Glossar · Regulierung

Leitzins

Der zentrale Steuerungszinssatz einer Notenbank — im Euroraum betreibt die EZB ein Korridorsystem aus Einlagensatz (1,75 %), Hauptrefinanzierungssatz (2,00 %) und Spitzenrefinanzierungssatz (2,25 %).

Begriff und Bedeutung

Der Leitzins ist der zentrale Steuerungszinssatz einer Notenbank, mit dem sie die Refinanzierungsbedingungen für Geschäftsbanken — und damit indirekt das gesamte Zinsniveau einer Volkswirtschaft — beeinflusst. Im Euroraum übernimmt die Europäische Zentralbank (EZB) diese Funktion; in der Schweiz die Schweizerische Nationalbank (SNB), in den USA die Federal Reserve (Fed).

Anders als oft vereinfachend dargestellt, gibt es nicht einen Leitzins, sondern ein Korridorsystem aus drei zentralen Sätzen, mit denen die EZB den Geldmarkt im Euroraum lenkt.

Das EZB-Zinskorridor-Modell

Seit der Reform vom 18. September 2024 betreibt die EZB ein vereinfachtes Korridorsystem mit verengtem Spread:

  • Einlagesatz (DFR) — Zinssatz, zu dem Banken überschüssige Reserven über Nacht bei der EZB parken können. Seit dem 5. Juni 2026: 1,75 %.
  • Hauptrefinanzierungssatz (MRO) — Zinssatz für die wöchentlichen Hauptrefinanzierungsgeschäfte. Aktuell: 2,00 %.
  • Spitzenrefinanzierungssatz (MLF) — Zinssatz für Übernachtkredite an Banken. Aktuell: 2,25 %.

Der Spread zwischen Einlagensatz und MRO wurde von 50 Basispunkten auf 25 Basispunkte verringert. In der Praxis ist der Einlagesatz seit 2008 der maßgebliche Markt-Leitzins geworden, da die Bankenliquidität strukturell überreichlich ist und die EZB über Anleihekäufe deutlich mehr Reserven geschaffen hat als nachgefragt werden.

Transmissionsmechanismus

Ein Zinsentscheid wirkt über mehrere Kanäle auf die Realwirtschaft:

  1. Geldmarkt — €STR (Euro Short-Term Rate) und Euribor folgen dem Einlagensatz nahezu eins zu eins.
  2. Kreditmarkt — Bank-Kreditzinsen für Unternehmen und Privathaushalte (Hypothekarkredite) folgen mit 1-3 Monaten Verzögerung.
  3. Wertpapierpreise — Anleihekurse reagieren unmittelbar, Aktien über Diskontierung künftiger Cashflows.
  4. Wechselkurs — höhere Zinsen werten den Euro tendenziell auf, niedrigere ab.

Die Wirkung auf die Inflation entfaltet sich mit der bekannten Verzögerung von 12-18 Monaten — was die EZB regelmäßig mit den Worten "we are not pre-committing" gegenüber kurzfristigem Markt-Erwartungsdruck verteidigt.

Kontext 2026

Nach dem rasanten Zinsanhebungszyklus 2022-2023 (Einlagesatz von -0,5 % auf +4,0 %) und der Wende 2024 (erste Senkung im Juni) befindet sich die EZB im Juni 2026 in der finalen Phase ihres Lockerungszyklus. Die Inflationsrate im Euroraum liegt bei rund 2,1 % — knapp über dem 2 %-Ziel. Märkte preisen bis Jahresende noch eine weitere Senkung um 25 Basispunkte ein.

Die Schweizer SNB hält ihren Leitzins seit Mitte 2024 unverändert bei 0,5 %, die Fed bei 3,75-4,00 %. Die transatlantische Zinsdifferenz von rund 200 Basispunkten stützt strukturell den US-Dollar gegenüber dem Euro.