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Glossar · Regulierung
HVPI
Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex der EU — der zentrale Inflationsindikator, an dem die EZB ihr 2 %-Ziel ausrichtet, berechnet nach einheitlicher Methodologie durch Eurostat.
Was der HVPI ist
Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) — englisch Harmonised Index of Consumer Prices (HICP) — ist der zentrale Inflationsindikator der Europäischen Union. Er wird nach einer EU-weit einheitlichen Methodologie berechnet, sodass Inflationsraten der Mitgliedstaaten direkt vergleichbar sind. Der HVPI ist die Zielgröße der EZB für ihr 2 %-Inflationsziel und Grundlage für zahlreiche EU-Verträge und Tarifvereinbarungen.
Rechtsgrundlage ist die EU-Verordnung 2016/792, die die Erstellung des HVPI durch die nationalen statistischen Ämter unter Aufsicht von Eurostat vorschreibt. In Österreich ist Statistik Austria zuständig, in Deutschland das Statistische Bundesamt (Destatis).
Methodische Unterschiede zum nationalen VPI
Der HVPI weicht in mehreren Punkten vom nationalen Verbraucherpreisindex (VPI) ab:
- Konsumkonzept: Der HVPI deckt nur den inländischen Konsum ab, der nationale VPI hingegen den Konsum der inländischen Bevölkerung (auch im Ausland). Praktischer Effekt: Touristenausgaben fließen in den HVPI ein, Auslandsreisen der Inländer hingegen nicht.
- Wohnkosten: Der HVPI berücksichtigt selbstgenutztes Wohneigentum (Owner-Occupied Housing, OOH) nur stark eingeschränkt — ein viel kritisierter Schwachpunkt, der zur Unterzeichnung der realen Lebenshaltungskosten führen kann. Eurostat arbeitet seit Jahren an einer vollständigen OOH-Integration, die ursprünglich für 2026 geplant war, sich aber auf 2028 verzögert hat.
- Gewichtung: Beide Indizes verwenden Konsumstrukturen, die jährlich aktualisiert werden. Beim HVPI erfolgt die Anpassung allerdings nach europäisch harmonisierten Klassifikationen (COICOP).
Aktuelle Werte und Sub-Aggregate
Im Mai 2026 lag der HVPI Euroraum bei 2,1 % (Schnellschätzung Eurostat, Vorjahresvergleich). Die Sub-Aggregate zeigen die typische post-2024-Konstellation:
- Energie: −1,8 % (Deflation, anhaltender Effekt des Erdgaspreis-Rückgangs)
- Nahrungsmittel, Alkohol, Tabak: 2,4 %
- Industriegüter ohne Energie: 0,6 %
- Dienstleistungen: 3,4 % (zähe Inflation, Lohnkostendruck)
Die EZB beobachtet besonders die hohe Dienstleistungsinflation, da diese durchschnittlich 50 % länger braucht, um auf Zielwerte zurückzukehren, als Güterinflation.
Rolle in der Geldpolitik
Die EZB hat ihr Ziel 2021 von "unter, aber nahe 2 %" auf ein symmetrisches 2 %-Ziel umformuliert — Über- und Unterschreitungen sind in beide Richtungen gleich relevant. Sie verwendet den HVPI als Hauptmaß und verfolgt zusätzlich die Kerninflation (ohne Energie und unverarbeitete Nahrungsmittel) zur Einschätzung der Persistenz.
Der monatliche HVPI-Release zur Mitte des Folgemonats ist das wichtigste makroökonomische Datum im EZB-Kalender. Märkte reagieren auf Abweichungen von der Konsensschätzung von ±0,1 Prozentpunkten regelmäßig mit Bewegungen an den Anleihen- und Devisenmärkten.
Für die Leitzins-Entscheidungen ist der HVPI damit der wichtigste — wenn auch nicht der einzige — Datenpunkt.