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Glossar · Krypto
CEX
Centralized Exchange — zentralisierte Krypto-Börse mit verwahrten Kundenguthaben und KYC-Pflicht, in der EU seit MiCA-Vollwirksamkeit ab 30. Dezember 2024 als CASP lizenzpflichtig.
Zentralisierte Krypto-Börsen
Eine CEX — Centralized Exchange — ist eine Handelsplattform für Kryptowährungen, die von einem identifizierbaren Unternehmen betrieben wird, das Kundengelder verwahrt, Orderbücher führt und KYC/AML-Prozesse durchsetzt. Das Modell entspricht weitgehend einer klassischen Wertpapierbörse oder einem Online-Broker — übertragen auf Krypto-Assets.
Die größten globalen CEX Mitte 2026 sind Binance (mit Abstand größtes Handelsvolumen weltweit, allerdings mit Eingeschränkungen in mehreren Jurisdiktionen nach US-DOJ-Settlement 2023), Coinbase (an der Nasdaq notiert, US-fokussiert), Kraken, OKX und Bybit. In der DACH-Region führend ist Bitpanda mit Sitz in Wien — einer der wenigen vollständig MiCA-lizenzierten Anbieter aus Österreich.
Funktionsweise und Custody
Bei einer CEX kauft der Nutzer Krypto-Assets typischerweise per SEPA-Überweisung, Kreditkarte oder Echtzeitüberweisung. Die erworbenen Coins werden im Standardfall auf einer plattformeigenen Wallet verwahrt — der Nutzer hält also keine eigenen privaten Schlüssel ("not your keys, not your coins"). Dafür entfallen die technische Komplexität von DEX-Wallets, Gas Fees für interne Transaktionen und das Risiko eigener Bedienfehler.
Das Geschäftsmodell finanziert sich über Handelsgebühren (typisch 0,1 % bis 1,5 % pro Trade), Spread-Margen, Auszahlungsgebühren und in vielen Fällen Premium-Dienste wie Staking oder Kreditprodukte.
Regulatorische Anforderungen seit MiCA
Seit 30. Dezember 2024 müssen alle in der EU operierenden CEX als CASP unter der MiCA-Verordnung zugelassen sein. Die wesentlichen Pflichten umfassen:
- Eigenkapitalanforderungen: 50.000 bis 150.000 Euro je nach Dienstleistungsumfang
- Trennung von Eigen- und Kundenvermögen: Krypto-Assets der Kunden dürfen nicht für Eigengeschäfte verwendet werden
- Beschwerdemanagement und Risikodisclosures
- Travel Rule für Krypto-Überweisungen ab 1.000 Euro
- MiCA-Whitepaper für jeden gelisteten Token (außer Bitcoin und Ethereum, die als dezentral eingestuft sind)
In Österreich ist die FMA zuständige Aufsichtsbehörde. Bitpanda war eines der ersten Unternehmen mit MiCA-Lizenz von der FMA im ersten Quartal 2025. In Deutschland überwacht die BaFin die in Deutschland tätigen CASPs.
Plattform-Risiko historisch
Die Krypto-Geschichte ist von CEX-Pleiten geprägt: Mt. Gox 2014 (650.000 BTC verloren), QuadrigaCX 2019 (190 Mio. USD), FTX im November 2022 (über 8 Mrd. USD Kundenmittel verschwunden) und mehrere kleinere Fälle. Diese Vorfälle haben die Maxime "not your keys, not your coins" geprägt und sind ein wesentlicher Treiber für die Entwicklung von Hardware Wallets und Cold Storage-Lösungen.
MiCA versucht durch die strikten Verwahrungsregeln vergleichbare Vorfälle in der EU strukturell zu verhindern — ein abschließendes Stresstest steht aber noch aus.
Steuerliche Behandlung in Österreich
Bei österreichischen CEX wie Bitpanda wird die KESt auf Krypto-Gewinne (27,5 %) automatisch abgeführt — analog zur Behandlung von Wertpapierdepots. Bei ausländischen Plattformen (Kraken, Binance, Coinbase) ist die Selbstdeklaration im Steuerformular E1kv verpflichtend.
Was Anleger oft fragen
Was unterscheidet eine CEX von einem Neobroker wie Trade Republic? Trade Republic vermittelt nur den Handel und nutzt im Hintergrund spezialisierte CASPs — die CEX ist sowohl Vermittler als auch Verwahrer.