Tagesgeld Vergleich Österreich 2026 — 15 Banken im Test
Nach der EZB-Senkung vom 5. Juni 2026 auf 1,75 Prozent: 15 in Österreich verfügbare Tagesgeldanbieter im Vergleich — Zinssatz, Einlagensicherung, KESt-Handling und versteckte Klauseln.

Bewertet nach unserer publik dokumentierten Methodik.
Mit der EZB-Sitzung vom 5. Juni 2026 hat sich der Rahmen für Tagesgeld in Österreich erneut verschoben. Der Einlagensatz, an dem sich die Verzinsung praktisch aller Tagesgeldkonten orientiert, liegt seither bei 1,75 Prozent — 25 Basispunkte unter dem Stand von Mai. Für Sparer heißt das: Die Phase deutlicher Vier-Prozent-Angebote ist endgültig vorbei, und Anbieter beginnen, die Konditionen still nachzuziehen. Einige haben die Anpassung bereits am Tag der Entscheidung durchgespielt, andere kündigen die Senkung mit der üblichen 14-Tage-Frist an.
Wir haben 15 in Österreich verfügbare Tagesgeldanbieter verglichen — heimische Institute, deutsche Direktbanken mit AT-Marktzugang, EU-Passporting-Banken aus Frankreich und der Türkei sowie Fintechs mit Tagesgeld-Funktion. Die Bewertung folgt einheitlichen Kriterien: Zinssatz, Einlagensicherung, Bedingungen für Neu- und Bestandskunden, KESt-Handling und Auszahlungsgeschwindigkeit. Zinssätze entsprechen dem Stand vom 6. Juni 2026.
Die 15 Anbieter im Direktvergleich
| Rang | Anbieter | Zinssatz Neukunde | Zinssatz Bestandskunde | Sicherung | KESt automatisch | Mindesteinlage | |------|----------|-------------------|------------------------|-----------|------------------|----------------| | 1 | Renault Bank direkt | 2,40 % p. a. (6 Monate) | 1,50 % p. a. | DE 100 000 € | Nein | 1 € | | 2 | DenizBank AG | 2,30 % p. a. (12 Monate) | 1,60 % p. a. | AT 100 000 € | Ja | 500 € | | 3 | Santander Consumer Bank | 2,20 % p. a. (4 Monate) | 1,55 % p. a. | AT 100 000 € | Ja | 1 € | | 4 | Anadi Bank | 2,10 % p. a. (3 Monate) | 1,45 % p. a. | AT 100 000 € | Ja | 1 € | | 5 | Addiko Bank | 2,00 % p. a. (12 Monate) | 1,40 % p. a. | AT 100 000 € | Ja | 1 € | | 6 | Trade Republic | 1,85 % p. a. (unbefristet, bis 50 000 €) | 1,85 % p. a. | DE 100 000 € | Nein | 1 € | | 7 | ING Austria | 1,80 % p. a. (4 Monate, bis 100 000 €) | 1,30 % p. a. | AT 100 000 € | Ja | 1 € | | 8 | bank99 | 1,70 % p. a. (6 Monate) | 1,25 % p. a. | AT 100 000 € | Ja | 1 € | | 9 | easybank | 1,60 % p. a. (Aktion) | 1,20 % p. a. | AT 100 000 € | Ja | 1 € | | 10 | N26 | 1,55 % p. a. (Hauptkonto, dynamisch) | 1,55 % p. a. | DE 100 000 € | Nein | 1 € | | 11 | BAWAG | 1,50 % p. a. (6 Monate) | 1,10 % p. a. | AT 100 000 € | Ja | 1 € | | 12 | Revolut Ultra/Metal | 1,45 % p. a. (Flexible Account EUR) | 1,45 % p. a. | LT 100 000 € | Nein | 1 € | | 13 | dadat | 1,40 % p. a. (Aktion) | 1,00 % p. a. | AT 100 000 € | Ja | 1 € | | 14 | Erste Bank | 1,30 % p. a. (Aktion) | 0,95 % p. a. | AT 100 000 € | Ja | 1 € | | 15 | Wise | 1,25 % p. a. (Interest-Funktion EUR) | 1,25 % p. a. | BE-Schutz, keine Sicherung im klassischen Sinn | Nein | 1 € |
Die Tabelle ist nach Neukundenkondition sortiert. Wer den relevanteren Wert für mittelfristiges Parken sucht, liest die Spalte „Bestandskunde". Dort verschiebt sich die Reihenfolge spürbar.
Was sich nach der EZB-Sitzung am 5. Juni geändert hat
Die Zinssenkung des Einlagensatzes auf 1,75 Prozent ist die fünfte in Folge seit dem Hochpunkt von 4,00 Prozent im Sommer 2024. Tagesgeld folgt diesem Satz nicht eins zu eins, sondern mit Abschlag — Banken verdienen an der Differenz zwischen dem, was sie selbst bei der EZB parken (1,75 %), und dem, was sie Sparern zahlen. In den Tagen vor der Sitzung hatten mehrere Anbieter ihre Aktionsverzinsungen bereits präventiv um 10 bis 20 Basispunkte gekürzt. Renault Bank direkt und DenizBank AG zogen am Sitzungstag selbst nach, ING Austria kündigte für den 20. Juni eine Anpassung an.
Für Sparer relevant: Aktionszinsen sind in der Regel garantiert für den jeweils kommunizierten Zeitraum, also vier, sechs oder zwölf Monate. Wer heute abschließt, hält den Satz für die volle Aktionsdauer, auch wenn der Anbieter die Neukundenkondition kurz danach absenkt. Nach Ablauf greift die niedrigere Bestandskundenverzinsung. Diese Mechanik ist das, was den Vergleich kompliziert macht — und was den Zinshopping-Effekt zwischen Banken am Leben hält.
Einlagensicherung — wo das Geld wirklich liegt
In Österreich greift die Einheitliche Sicherungseinrichtung (ESA) im Rahmen der EU-weiten Einlagensicherungsrichtlinie. Sie schützt Einlagen bis 100 000 Euro pro Kunde und Institut. Das gilt für Erste Bank, BAWAG, easybank, bank99, dadat, Anadi Bank, Addiko Bank, ING Austria, DenizBank AG und Santander Consumer Bank Austria, sofern die jeweilige Niederlassung in Österreich ein eigenes Institut ist.
Bei den deutschen Direktbanken (Renault Bank direkt, Trade Republic, N26) greift die deutsche Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) — ebenfalls 100 000 Euro pro Kunde und Institut. EU-weit gilt das Passporting: Eine Sicherungseinrichtung in einem EU-Mitgliedstaat wird in allen anderen anerkannt. In der Praxis bedeutet das für AT-Sparer ein zusätzlicher Verfahrensschritt im Insolvenzfall, da die Auszahlung über die deutsche Stelle läuft.
Revolut nutzt die litauische Einlagensicherung über seine EU-Tochterbank Revolut Bank UAB. Wise hingegen ist keine Bank im klassischen Sinn, sondern ein E-Geld-Institut mit belgischer Lizenz. Guthaben bei Wise sind über das EU-E-Geld-Regime segregiert — sie sind nicht Teil der Insolvenzmasse, aber auch nicht durch eine klassische Einlagensicherung geschützt. Wer Wise nutzt, sollte größere Beträge nicht dort parken.
KESt — automatisch oder nicht
Österreichische Banken führen die Kapitalertragsteuer von 25 Prozent auf Zinserträge automatisch ab. Sparer sehen die Nettoverzinsung auf dem Kontoauszug, der Bruttozins erscheint nur in der Jahresübersicht. Das gilt für alle AT-Niederlassungen in unserer Liste: Erste Bank, BAWAG, easybank, bank99, dadat, Anadi Bank, Addiko Bank, ING Austria, DenizBank AG und Santander Consumer Bank Austria. Siehe auch KESt.
Bei deutschen Anbietern ohne österreichische Niederlassung (Renault Bank direkt, Trade Republic, N26) sowie bei Revolut und Wise greift dieser Automatismus nicht. Sparer müssen die Zinserträge in der österreichischen Einkommensteuererklärung selbst angeben — als Einkünfte aus Kapitalvermögen — und die deutsche Quellensteuer gegebenenfalls anrechnen lassen. Trade Republic stellt seit Anfang 2026 einen AT-spezifischen Jahresreport zur Verfügung, der den Erklärungsaufwand reduziert; Renault Bank direkt und N26 liefern nur deutsche Steuerbescheinigungen.
Wer einen einfachen Einreichprozess will, fährt mit AT-Niederlassungen spürbar bequemer. Wer den Zinsvorteil ausnutzen möchte und einen Steuerberater hat oder selbst veranlagungssicher ist, kann den deutschen Direktbankweg gehen — netto bleibt nach KESt-Anrechnung typischerweise dasselbe übrig wie bei einem AT-Anbieter mit identischem Bruttozins.
Bedingungen und versteckte Klauseln
Der Bruttozins ist nur die eine Hälfte. Die andere ist das Kleingedruckte:
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Aktionszeitraum — Renault Bank direkt: 6 Monate. Santander: 4 Monate. DenizBank AG: 12 Monate. Anadi: 3 Monate. Addiko: 12 Monate. Nach Ablauf fällt der Satz auf den Bestandskundenwert zurück, der oft 20 bis 50 Prozent unter der Aktionskondition liegt.
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Maximalbetrag — Trade Republic verzinst bis 50 000 Euro, ING Austria bis 100 000 Euro im Aktionszeitraum. Beträge darüber laufen zum (niedrigeren) Bestandskundensatz.
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Bestandskundenausschluss — Mehrere Anbieter (Santander, BAWAG, easybank) gewähren die Aktionskondition ausschließlich Neukunden. Bestandskunden, die in den vergangenen 12 oder 24 Monaten ein Konto hatten, fallen heraus.
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Hauptkonto-Bindung — N26 koppelt den Zins an die Nutzung als Gehaltskonto. Wer nur parkiert, ohne Hauptkontofunktion, sieht niedrigere Sätze.
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Subscription-Bindung — Revolut zahlt die genannten 1,45 Prozent nur in den Ultra- und **Metal-**Tarifen (16,99 bzw. 13,99 Euro pro Monat). Bei Plus oder Standard liegt der Satz deutlich tiefer oder bei null.
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FX-Kosten — Wise zahlt 1,25 Prozent auf das EUR-Guthaben der Interest-Funktion. Wer hingegen USD oder GBP hält, kassiert andere Sätze und sieht beim Rückwechsel eine kleine FX-Gebühr.
Sieben Profile, sieben Empfehlungen
1. Maximaler Zins, sechs Monate, deutsche Bank
Renault Bank direkt mit 2,40 Prozent auf sechs Monate ist der höchste verlässliche Satz im Vergleich. Nachteil: KESt nicht automatisch, Auszahlung nach Ablauf der Aktion fällt auf 1,50 Prozent. Für 50 000 Euro über sechs Monate bringt das brutto rund 600 Euro, netto nach KESt etwa 450 Euro.
2. Maximaler Zins, zwölf Monate, AT-Niederlassung
DenizBank AG mit 2,30 Prozent auf zwölf Monate kombiniert hohen Satz mit längerer Garantie und österreichischem Steuerservice. Mindesteinlage 500 Euro. Für viele AT-Sparer das beste Gesamtpaket — solange die 2,30 Prozent halten und die Bank nicht vor Ablauf nachjustiert.
3. Konsistenter Aktionsbonus für Größere
Santander Consumer Bank Austria zahlt 2,20 Prozent über vier Monate mit AT-Niederlassung und automatischer KESt. Vier Monate sind kurz — wer aktiv rotiert, hält den Kopfsatz über Quartalsgrenzen.
4. Einsteiger ohne Aktionsdruck
Trade Republic mit 1,85 Prozent unbefristet (bis 50 000 Euro) ist keine Spitzenkondition mehr, aber stabil. Wer ohnehin im Trade-Republic-Depot Aktien oder ETFs hält, vermeidet Kontowechsel und hat die Liquidität sofort verfügbar. Siehe auch Sparplan einrichten 2026.
5. Etablierte AT-Großbank, niedriger Anspruch
Erste Bank und BAWAG zahlen 1,30 bzw. 1,50 Prozent als Aktion. Wer dort sein Hauptkonto hat und keinen Anbieterwechsel will, lässt Tagesgeld einfach mitlaufen — ohne den höchsten Zins zu jagen. Praktisch, nicht maximal.
6. Fintech mit Komfort, mittlere Bedingungen
N26 und Revolut Ultra/Metal liegen bei rund 1,5 Prozent und sind interessant für Nutzer, die diese Konten ohnehin als Haupt- oder Reisekonto verwenden. Als reines Sparvehikel sind sie keine erste Wahl — die Subscription-Kosten bei Revolut fressen Teile des Zinsvorteils.
7. Multi-Currency-Parking
Wise ist kein Tagesgeldanbieter im klassischen Sinn, aber für Sparer mit internationalen Salden (Freelancer, Auslandsösterreicher) eine Option. Wegen E-Geld-Status keine Einlagensicherung — Beträge über einigen tausend Euro gehören nicht dauerhaft dorthin.
Häufige Fragen
Wie schnell ändern sich Tagesgeldzinsen?
In den Wochen nach einer EZB-Entscheidung passen die meisten Anbieter ihre Bestandskundenkonditionen mit einer Vorlauffrist von 14 Tagen an. Aktionsangebote für Neukunden bleiben oft länger erhalten, weil sie Marketingmittel sind. Wer heute den höchsten Satz sucht, sollte spätestens alle drei Monate prüfen.
Ist meine Einlage bei einer ausländischen Bank in Österreich sicher?
Innerhalb der EU greift das Passporting der Einlagensicherung. Eine deutsche, niederländische oder litauische Bank ist über ihre nationale Sicherungseinrichtung bis 100 000 Euro pro Kunde abgesichert. Auszahlungsverfahren laufen im Insolvenzfall über die jeweilige Heimatbehörde. Für deutsche Direktbanken ist das in der Praxis unkritisch.
Sollte ich Tagesgeld auf mehrere Banken aufteilen?
Bei Beträgen über 100 000 Euro pro Person und Institut ist das zwingend, um die Sicherungsgrenze nicht zu überschreiten. Darunter ist es eine Komfortfrage: Zwei Konten bei zwei verschiedenen Banken diversifizieren das Insolvenzrisiko, kosten aber Aufwand bei Eröffnung, KESt-Erklärung (bei DE-Banken) und Übersicht.
Lohnt sich der Wechsel zwischen Aktionsanbietern alle paar Monate?
Bei Beträgen ab 20 000 Euro und Zinsdifferenzen von 50 Basispunkten oder mehr kann sich der Aufwand rechnen — eine Aktion mit 2,40 Prozent über sechs Monate bringt 50 Basispunkte mehr als eine mit 1,90 Prozent, also etwa 50 Euro brutto pro 20 000 Euro. Für viele Sparer ist die Komplexität nicht wert. Wer ohnehin gerne aktiv parkt, fährt mit der Rotation messbar besser.
Was ist der Unterschied zwischen Tagesgeld und Festgeld?
Tagesgeld ist täglich verfügbar; der Zins ist variabel und kann sich mit kurzer Frist ändern. Festgeld bindet die Einlage für einen definierten Zeitraum (3, 6, 12 oder 24 Monate) zu einem fixen Zinssatz. Wer Liquidität braucht, nimmt Tagesgeld. Wer einen Zinssatz für längere Zeit absichern will und das Geld entbehren kann, nimmt Festgeld.
Wie wirkt sich die Inflation auf den realen Tagesgeldzins aus?
Die HVPI-Inflation in Österreich lag im Mai 2026 bei 2,4 Prozent. Bei einem Bruttozins von 2,30 Prozent und 25 Prozent KESt verbleiben netto rund 1,73 Prozent — also etwas unter der laufenden Inflationsrate. Real verliert das Geld am Tagesgeldkonto leicht an Kaufkraft. Für Liquiditätsreserven ist das hinnehmbar, für mittelfristigen Vermögensaufbau nicht. Wer 5 bis 10 Jahre Horizont hat, sollte Tagesgeld nur als Bodensatz halten und den Rest in ETF-Sparpläne oder andere Anlageformen umschichten. Siehe auch ETF in Österreich kaufen.
Was passiert, wenn die EZB die Zinsen weiter senkt?
Das Marktkonsensus-Szenario sieht für die zweite Hälfte 2026 eine weitere Senkung auf 1,50 Prozent vor, mit Spielraum bis 1,25 Prozent, falls die Inflation weiter unter Ziel rutscht. Tagesgeldzinsen würden entsprechend nachgeben — Aktionsangebote dürften in Richtung 1,80 bis 2,00 Prozent abrutschen, Bestandskundenkonditionen in Richtung 1,00 Prozent. Wer einen Zinssatz für 12 Monate fixieren will, sollte Festgeld in Erwägung ziehen.