Robo-Advisor DACH 2026 — 10 Anbieter im Vergleich
Scalable Wealth, Quirion, Liqid, Solidvest, Investify, True Wealth und sieben weitere Robo-Advisor im Direktvergleich: Mindestanlage, Verwaltungsgebühr, Strategie und Aufsicht für DACH-Anleger 2026.

Bewertet nach unserer publik dokumentierten Methodik.
Robo-Advisor haben sich in der DACH-Region vom Neugeschäft des Jahrgangs 2014 zu einer etablierten Verwaltungsklasse entwickelt. Nach Schätzungen der Boston Consulting Group liegen die in den drei Ländern verwalteten Vermögen Mitte 2026 bei rund 28 Milliarden Euro — getrieben durch das anhaltende Wachstum digitaler Vermögensverwalter in Deutschland und durch die starke Stellung der Schweizer Anbieter im Premium-Segment. Für österreichische Anleger wird die Auswahl 2026 spürbar enger: Mehrere DE-Anbieter sind über die EU-Passporting-Logik direkt zugänglich, Schweizer Häuser akzeptieren EU-Kunden teils nur eingeschränkt.
Die wichtigste Veränderung 2026 ist nicht die Technik, sondern die Zinslandschaft. Mit der EZB-Leitzinssenkung vom 5. Juni 2026 auf 2,25 Prozent ist der Vorteil von Tagesgeld gegenüber langfristigen ETF-Portfolios wieder geschrumpft. Wer bisher mit hoher Cashquote „auf den Einstieg gewartet" hat, sieht sich erneut mit dem Argument konfrontiert, das jeder Robo-Advisor strukturell mitbringt: automatisches, regelbasiertes Investieren in einem breit gestreuten ETF-Portfolio.
Wir haben zehn Robo-Advisor mit Relevanz für DACH-Anleger geprüft. Bewertet wurden Mindestanlage, laufende Verwaltungsgebühr, Strategie (passiv vs. teilaktiv), Grad der Portfolio-Personalisierung, Steuerservice für AT/DE und die aufsichtsrechtliche Einbindung (BaFin, FMA oder FINMA). Wo Drei-Jahres-Performancezahlen für 2023–2026 öffentlich verfügbar waren, sind sie als Orientierung aufgenommen — mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass historische Werte keine Aussage über künftige Renditen erlauben.
Übersicht: Zehn Anbieter im Direktvergleich
| # | Anbieter | Sitz | Mindestanlage | Verwaltung p. a. | Strategie | Aufsicht | 3J-Rendite Standardportfolio* | |----|---------------------|------|---------------|------------------|--------------------|----------|-------------------------------| | 1 | Scalable Wealth | DE | 10 000 € | 0,75 % | Passive ETF | BaFin | ca. + 6,9 % p. a. | | 2 | Quirion | DE | 500 € | 0,48 % | Passive ETF | BaFin | ca. + 7,1 % p. a. | | 3 | Solidvest | DE | 100 000 € | 1,15 % | Aktiv Einzelwerte | BaFin | ca. + 5,8 % p. a. | | 4 | Whitebox | DE | 5 000 € | 0,95 % | Passiv + Value-Tilt| BaFin | ca. + 6,2 % p. a. | | 5 | Visualvest | DE | 25 € | 0,60 % | Passive ETF | BaFin | ca. + 6,7 % p. a. | | 6 | Liqid | DE | 100 000 € | 0,90 % | Multi-Asset, HNW | BaFin | ca. + 6,4 % p. a. | | 7 | Selma Finance | CH | 5 000 CHF | 0,68 % | Passive ETF | FINMA | ca. + 7,0 % p. a. | | 8 | True Wealth | CH | 8 500 CHF | 0,50 % | Passive ETF | FINMA | ca. + 7,3 % p. a. | | 9 | Investify | LU/AT| 1 000 € | 0,79 % | Themen + Kern | CSSF/FMA | ca. + 6,1 % p. a. | | 10 | finvesto Robo | DE | 1 000 € | 0,90 % | Passive ETF | BaFin | ca. + 6,5 % p. a. |
*Geschätzte Drei-Jahres-Performance der jeweiligen mittleren Risikoklasse (vergleichbar einem 60/40-Portfolio), netto nach Gebühren, Zeitraum 1. Juni 2023 bis 1. Juni 2026. Werte basieren auf öffentlichen Anbieter-Reports und gerundeten Marktdaten; keine Garantie auf Vollständigkeit.
1. Scalable Capital Wealth
Scalable Capital ist in seiner Broker-Variante der bekannteste Neobroker im DACH-Raum. Der Robo-Advisor-Arm Scalable Wealth läuft daneben als regulierte Vermögensverwaltung. Anleger zahlen 0,75 Prozent jährlich auf das Depotvolumen, dazu die jeweiligen TER der eingesetzten ETFs (typischerweise 0,15 bis 0,25 Prozent). Das Portfolio besteht ausschließlich aus passiven, UCITS-konformen ETFs auf Aktien- und Anleihenseite.
Die Mindestanlage von 10 000 Euro grenzt das Angebot bewusst von der Massenmarktstrategie der hauseigenen Broker-App ab. Personalisierung erfolgt über eine standardisierte Risikoabfrage und sechs vordefinierte Risikoklassen. Steuerlich profitieren österreichische Anleger nicht vom integrierten KESt-Abzug, da Scalable nur deutsche Abgeltungsteuer unterstützt — der Jahresreport muss in Österreich eigenständig in der E1kv verarbeitet werden.
Geeignet für: DACH-Anleger mit mindestens fünfstelligem Startbetrag, die ein schlankes, kostengünstiges Passiv-Portfolio ohne Spielraum für aktive Einzelpositionen suchen.
2. Quirion
Quirion ist Tochter der Berliner Quirin Privatbank und einer der Pioniere der digitalen Vermögensverwaltung in Deutschland. Mit 0,48 Prozent jährlicher Verwaltungsgebühr im Basispaket gehört der Anbieter zu den günstigsten BaFin-regulierten Robo-Advisorn am Markt. Die Mindestanlage von 500 Euro öffnet den Service auch für Einstiegssparer; Sparpläne sind ab 30 Euro monatlich möglich.
Das Portfolio ist rein passiv: Quirion nutzt ETFs von iShares, Xtrackers und Vanguard, gewichtet nach einer akademisch begründeten Asset-Allocation-Logik (Anlehnung an die Arbeit von Markowitz und Fama-French). Über die kostenpflichtigen Pakete „Silber" und „Gold" werden zusätzlich Nachhaltigkeits-Optionen und individuelle Beratungsgespräche freigeschaltet.
Quirion liefert deutschen Anlegern den vollständigen Jahressteuerbeleg inklusive Abgeltungsteuerabführung. Für österreichische Anleger ist die Plattform legal über die EU-Passporting-Regelung nutzbar, der Jahresreport muss aber wie bei Scalable für die KESt-Veranlagung in Österreich umgerechnet werden.
Geeignet für: preissensible Einsteiger und mittelgroße Sparer im DACH-Raum, die ein vollautomatisches Passiv-Portfolio mit niedrigster Gebühr suchen.
3. Solidvest
Solidvest ist ein Sonderfall im Vergleichsfeld: Der Anbieter, eine Marke der DJE Kapital AG aus Pullach, verwaltet Mandate aktiv mit Einzelaktien und Anleihen — kein ETF-Mantel, sondern direkte Wertpapierauswahl durch das DJE-Researchteam. Die Mindestanlage liegt bei 100 000 Euro, die Verwaltungsgebühr bei 1,15 Prozent jährlich plus Depotgebühr.
Dieser Ansatz richtet sich an vermögende Privatanleger, die digitalisierte Vermögensverwaltung mit klassischem aktivem Stockpicking kombinieren wollen. Die historische Performance liegt nach öffentlich kommunizierten Zahlen unter den passiven Benchmarks der Wettbewerber — was im strukturellen Umfeld aktiv verwalteter Mandate erwartbar ist. Solidvest argumentiert mit niedrigerer Drawdown-Sensitivität in Korrekturphasen; messbar belegt ist dieser Vorteil über drei Jahre nur eingeschränkt.
Geeignet für: vermögende DACH-Anleger ab 100 000 Euro, die bewusst aktives Management mit Einzeltitelauswahl statt eines ETF-Mantels wählen.
4. Whitebox
Whitebox aus Weil am Rhein verfolgt einen passiven Kernansatz, ergänzt um einen systematischen Value-Tilt: Das Portfolio gewichtet günstig bewertete Marktsegmente leicht stärker als der jeweilige Marktkapitalisierungsindex. Die Mindestanlage liegt bei 5 000 Euro, die Gesamtkostenquote bei 0,95 Prozent jährlich (inklusive ETF-TER).
Anders als die meisten Wettbewerber bietet Whitebox ein integriertes Rebalancing nach Schwellenwerten statt fester Kalenderdaten. Das senkt die Anzahl realisierter Kursgewinne und damit die Steuerlast — ein Effekt, der besonders in stark steigenden Marktphasen sichtbar wird. Whitebox kommuniziert Drei-Jahres-Renditen offen über die eigene Performance-Seite; die durchschnittliche mittlere Risikoklasse lag laut Anbieter im Zeitraum 2023–2026 bei rund 6,2 Prozent pro Jahr nach Gebühren.
Geeignet für: DE-Anleger mit fünfstelligem Startbetrag, die einen passiven Kern mit leichter Value-Übergewichtung und steueroptimiertem Rebalancing schätzen.
5. Visualvest
Visualvest ist Tochter der Union Investment und damit fest in der genossenschaftlichen Bankengruppe verankert. Mit 25 Euro Mindestanlage und 0,60 Prozent Gesamtgebühr gehört der Anbieter zu den niedrigschwelligsten Optionen am deutschen Markt. Sparpläne sind ab 25 Euro monatlich verfügbar; Anleger können zwischen sieben Risikoklassen und einer Nachhaltigkeitsvariante wählen.
Die Strategie ist rein passiv, das Portfolio besteht aus ETFs und einigen aktiven Union-Investment-Fonds (Letzteres als zusätzlicher Punkt der Diskussion: Kritiker bemängeln den Interessenkonflikt zwischen Plattform und Fondsanbieter). Der Steuerservice ist für deutsche Anleger vollständig integriert.
Für österreichische Anleger ist Visualvest legal nutzbar, allerdings ist die Plattform nicht auf den AT-Markt zugeschnitten. Der Steuerreport muss eigenständig veranlagt werden.
Geeignet für: deutsche Sparplan-Anleger, die einen sehr niedrigen Einstieg und eine bekannte Marke schätzen.
6. Liqid
Liqid positioniert sich klar im High-Net-Worth-Segment und arbeitet mit dem Family Office der Familie Quandt als Investment-Partner zusammen. Die Mindestanlage liegt bei 100 000 Euro, die Gebühr bei 0,90 Prozent jährlich. Das Portfolio kombiniert ETFs, einzelne aktive Fonds und — in höheren Volumensklassen — auch Private-Equity- und Private-Debt-Komponenten.
Die Differenzierung gegenüber den Massenmarkt-Robo-Advisorn liegt im Zugang zu institutionellen Anlageklassen, die Privatanleger sonst nur über Family Offices erreichen. Performance-Daten kommuniziert Liqid in Quartalsberichten an Bestandskunden; öffentlich verfügbar sind nur aggregierte Verlaufszahlen, die für die mittlere Risikoklasse 2023–2026 eine Größenordnung von etwa 6,4 Prozent jährlich nach Gebühren nahelegen.
Geeignet für: vermögende DACH-Anleger ab sechsstelligen Beträgen, die digitalisierte Vermögensverwaltung mit Zugang zu Private-Markets-Bausteinen suchen.
7. Selma Finance
Selma ist ein Schweizer Robo-Advisor mit Sitz in Zürich, FINMA-reguliert, mit klarem Fokus auf konversationelle Onboarding-Logik („Selma, deine digitale Anlegerin"). Die Mindestanlage beträgt 5 000 Franken, die Verwaltungsgebühr 0,68 Prozent jährlich plus rund 0,20 Prozent ETF-TER. Das Portfolio ist rein passiv und greift überwiegend auf iShares- und UBS-ETFs zurück.
Selma akzeptiert grundsätzlich nur Kunden mit Schweizer Wohnsitz; EU-Anleger sind im Standardonboarding nicht zugelassen. Für DACH-Anleger ist die Plattform deshalb vor allem für Schweizer Privatkunden oder dort beruflich ansässige Deutsche und Österreicher relevant.
Geeignet für: Schweizer Privatanleger mit Wunsch nach digitaler Vermögensverwaltung und persönlich gefärbtem Onboarding.
8. True Wealth
True Wealth ist mit 0,50 Prozent jährlicher Verwaltungsgebühr der günstigste FINMA-regulierte Robo-Advisor der Schweiz. Die Mindestanlage liegt bei 8 500 Franken, das Portfolio besteht aus passiven ETFs. Das Unternehmen aus Zürich verzichtet bewusst auf Premium-Pakete und kommuniziert seine Anlagestrategie über ein öffentlich einsehbares Methodik-Dokument.
Wie Selma steht True Wealth EU-Anlegern nicht offen, sondern richtet sich an Kunden mit Schweizer Wohnsitz. Die historische Drei-Jahres-Performance des mittleren Risikoprofils liegt nach Anbieter-Reports bei rund 7,3 Prozent jährlich netto — die höchste Zahl im Feld, mitgetragen vom strukturell günstigen Gebührenniveau.
Geeignet für: Schweizer Privatanleger, die einen besonders kostengünstigen passiven Robo-Advisor suchen.
9. Investify
Investify ist ein luxemburgischer Anbieter, der über die österreichische Tochtergesellschaft auch FMA-reguliert ist — und damit einer der wenigen Robo-Advisor mit echtem AT-Steuerservice. Die Mindestanlage liegt bei 1 000 Euro, die Verwaltungsgebühr bei 0,79 Prozent jährlich. Investify kombiniert ein Kernportfolio aus klassischen ETFs mit optionalen Themen-Bausteinen (Wasser, Robotik, Demografie).
Für österreichische Anleger ist Investify die einfachste Option, weil der KESt-Abzug direkt durch den Anbieter erfolgt. Der Jahresreport ist E1kv-kompatibel und erfordert keine Eigenveranlagung. Diese steuerliche Integration hat ihren Preis: 0,79 Prozent sind höher als bei Quirion oder Scalable, dafür entfällt der Aufwand der eigenständigen Verlust- und Gewinnverrechnung.
Geeignet für: österreichische Anleger, die einen vollintegrierten KESt-Service ohne Eigenveranlagung suchen und bereit sind, dafür eine moderate Gebührenprämie zu zahlen.
10. finvesto Robo
finvesto ist die digitale Tochter der ebase (FNZ Bank, München), spezialisiert auf Sparplan-Strategien. Der Robo-Advisor läuft seit 2022 als reines Passiv-Angebot mit 1 000 Euro Mindestanlage und 0,90 Prozent Verwaltungsgebühr. Das Portfolio nutzt ETFs in fünf Risikoklassen, ETF-Sparpläne sind ab 10 Euro monatlich möglich.
Die Stärke von finvesto liegt in der Sparplan-Logik: Häufigkeit, Höhe und Aufteilung lassen sich granular einstellen, Anpassungen wirken sich zum nächsten Ausführungstermin aus. Der Steuerservice ist für DE-Anleger vollständig, für AT-Anleger ist eine Eigenveranlagung erforderlich.
Geeignet für: deutsche Sparplan-Anleger, die eine schlanke Robo-Logik mit klassischer ebase-Infrastruktur kombinieren wollen.
Wie wir bewerten
Die Auswahl der zehn Anbieter folgt vier Kriterien: BaFin-, FMA- oder FINMA-Aufsicht, faktische Zugänglichkeit für DACH-Anleger, Mindestanlage unter 100 000 Euro oder klar kommunizierte Premium-Positionierung, sowie öffentlich nachprüfbare Gebührenstruktur. Nicht aufgenommen wurden reine Versicherungs- oder Beratungsprodukte ohne Vermögensverwaltungslizenz sowie Anbieter, die ausschließlich Institutionelle ansprechen.
Die Drei-Jahres-Renditen wurden, wo immer möglich, aus den eigenen Performance-Reports der Anbieter zur mittleren Risikoklasse abgegriffen. Wo keine offizielle Veröffentlichung vorlag, kommen Schätzwerte auf Basis vergleichbarer 60/40-ETF-Portfolios zum Einsatz. Die Renditen sind netto nach Verwaltungs- und ETF-Gebühren, vor Steuern.
Häufige Fragen
Wann lohnt sich ein Robo-Advisor gegenüber einem ETF-Sparplan beim Broker?
Wer einen einzelnen Welt-ETF (z. B. MSCI World oder FTSE All-World) bespart, fährt mit dem klassischen Broker-Sparplan strukturell günstiger: Es entfällt die Verwaltungsgebühr von 0,5 bis 1 Prozent jährlich. Der Robo-Advisor rechnet sich, sobald automatisches Rebalancing über mehrere Anlageklassen, Risikoprofilanpassung und Steuerservice einen Mehrwert bringen — typischerweise ab Volumen über 25 000 Euro oder bei Anlegern, die sich nicht selbst um die Allokation kümmern wollen.
Welche Aufsichtsbehörde ist für deutsche und österreichische Anleger relevant?
Für deutsche Anleger ist die BaFin zuständig, für österreichische Anleger die FMA. Beide Aufsichten arbeiten unter dem gemeinsamen EU-Rahmen (MiFID II), sodass deutsche Anbieter über das EU-Passporting auch österreichische Kunden bedienen dürfen — und umgekehrt. Schweizer FINMA-Aufsicht steht außerhalb dieses EU-Rahmens; FINMA-regulierte Anbieter sind für EU-Kunden in der Regel nicht direkt zugänglich.
Wie hoch ist die KESt auf Robo-Advisor-Erträge in Österreich?
Erträge aus österreichischer Vermögensverwaltung unterliegen der Kapitalertragsteuer (KESt) von 27,5 Prozent. Wenn der Anbieter (wie Investify) FMA-reguliert ist und einen integrierten Steuerservice bietet, wird die KESt direkt abgeführt. Bei deutschen Anbietern ohne AT-Steuerservice (Scalable, Quirion, Whitebox usw.) muss der österreichische Anleger die Erträge in der Beilage E1kv zur Einkommensteuererklärung eigenständig veranlagen.
Was bedeutet die EZB-Zinssenkung vom 5. Juni 2026 für Robo-Advisor-Sparer?
Mit dem gesenkten Leitzins ist der relative Vorteil von Tagesgeld gegenüber langfristigen Aktien-Anleihen-Portfolios geringer geworden. Anleger mit hohem Cash-Anteil, die in den vergangenen 18 Monaten von Tagesgeldzinsen zwischen 3 und 4 Prozent profitiert haben, müssen für vergleichbare reale Renditen wieder stärker in Risikoanlagen umschichten. Robo-Advisor mit automatischem Rebalancing tragen dieser Verschiebung ohne aktives Zutun Rechnung — vorausgesetzt, das gewählte Risikoprofil passt zur tatsächlichen Risikobereitschaft.
Sind aktive Robo-Advisor (z. B. Solidvest) langfristig besser als passive?
Die empirische Datenlage spricht weiterhin gegen die strukturelle Überlegenheit aktiv verwalteter Mandate gegenüber breit gestreuten passiven Portfolios. Studien von S&P Dow Jones Indices (SPIVA) zeigen für den DACH-Raum, dass über Zehnjahreszeiträume mehr als 80 Prozent der aktiv verwalteten Aktienfonds ihre jeweilige Benchmark netto nach Kosten verfehlen. Aktive Robo-Advisor können in Korrekturphasen punktuell stabiler abschneiden, geben diesen Vorteil über volle Marktzyklen jedoch meist wieder ab.
Wie sicher sind die Kundenvermögen bei einem Robo-Advisor?
Robo-Advisor halten Kundenvermögen rechtlich getrennt in einer Depotbank (z. B. Baader Bank, DAB BNP Paribas, ebase). Im Insolvenzfall des Robo-Advisors selbst sind die Wertpapiere damit nicht Teil der Insolvenzmasse — sie verbleiben im Eigentum der Anleger. Zusätzlich greift in Deutschland der Einlagensicherungsfonds für die Cash-Komponente bis 100 000 Euro pro Kunde und Bank; in Österreich gilt die Einlagensicherung AUSTRIA in gleicher Höhe. Schweizer FINMA-Aufsicht garantiert einen Einlegerschutz von bis zu 100 000 Franken über die esisuisse.
Welcher Robo-Advisor passt zu welchem Anlegertyp?
Für österreichische Anleger mit Wunsch nach integriertem KESt-Service: Investify. Für deutsche Einsteiger mit kleinem Startbetrag und niedrigster Gebühr: Quirion oder Visualvest. Für DACH-Anleger mit fünfstelligem Startkapital und Wunsch nach klassischem Passiv-Portfolio: Scalable Wealth oder Whitebox. Für vermögende Anleger mit Zugang zu Private Markets: Liqid. Für aktives Stockpicking statt ETF-Mantel: Solidvest. Für Schweizer Privatkunden: True Wealth (günstig) oder Selma (konversationell).