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Thesaurierung

Automatische Wiederanlage aller Fonds- oder ETF-Erträge im Fondsvermögen; in Österreich bei Auslands-ETFs als ausschüttungsgleiche Erträge nach § 186 InvFG 2011 jährlich besteuert.

Funktion und wirtschaftliche Logik

Die Thesaurierung bezeichnet die automatische Wiederanlage aller Erträge eines Investmentfonds oder ETF im Fondsvermögen — anstelle einer direkten Auszahlung an die Anteilseigner. Dividenden, Zinsen und realisierte Kursgewinne werden vom Fondsmanagement laufend reinvestiert, was den Anteilspreis kontinuierlich erhöht. Erkennbar sind thesaurierende ETFs am Namenszusatz "Acc", "C" oder "1C" (Accumulating). Im Gegensatz zur Ausschüttung erhält der Anleger keine periodische Cashzahlung — sein Vermögen wächst ausschließlich über die Kurssteigerung.

Aus Sicht des langfristig orientierten Sparers ist die Thesaurierung kapitalmarkt-effizient: Der Zinseszinseffekt wirkt sofort und ohne Reibungsverluste. Eine Ausschüttung müsste sonst manuell wieder investiert werden, was Transaktionskosten verursacht und steuerliche Sofortbelastung auslöst.

Die österreichische Sonderbehandlung

Hier liegt der zentrale Stolperstein: Anders als in Deutschland (Vorabpauschale-System seit 2018) sieht das österreichische Steuerrecht für thesaurierende Auslands-ETFs die Konstruktion der ausschüttungsgleichen Erträge (a.g.E.) vor — geregelt in § 186 InvFG 2011. Vereinfacht: Auch wenn der ETF keine Cashauszahlung vornimmt, gelten bestimmte Ertragskomponenten als zugeflossen und werden jährlich besteuert.

Wesentlich ist die Unterscheidung zwischen Meldefonds und Nicht-Meldefonds:

  • Meldefonds: Der Anbieter meldet die ausschüttungsgleichen Erträge an die Österreichische Kontrollbank (OeKB). Die Depotbank zieht die KESt automatisch ab — sofern das Depot in Österreich geführt wird.
  • Nicht-Meldefonds: Es gilt eine pauschale Schätzung auf Basis von 90 % der Wertsteigerung, mindestens jedoch 10 % des Jahresend-Kurses als steuerpflichtiger Ertrag. Diese Pauschalbesteuerung ist deutlich nachteiliger und sollte vermieden werden.

Die überwiegende Mehrheit der bei österreichischen Brokern (Flatex, easybank, Erste Bank, DADAT) handelbaren UCITS-ETFs ist als Meldefonds registriert.

In Zahlen

Eine Anlegerin in Wien investiert über einen Sparplan bei Flatex monatlich 200 Euro in den iShares Core MSCI World UCITS ETF Acc (ISIN IE00B4L5Y983, Meldefonds). Bei einer angenommenen Bruttorendite von 7 % p. a. erzielt der ETF im Jahr 5 ausschüttungsgleiche Erträge von rund 110 Euro pro 10.000 Euro Anteilswert. Auf diese 110 Euro greift die KESt mit 27,5 %, also rund 30,25 Euro pro Jahr — automatisch vom Verrechnungskonto eingezogen. Beim späteren Verkauf werden die bereits versteuerten Anteile angerechnet, um Doppelbesteuerung zu vermeiden.

Vor- und Nachteile

Thesaurierende ETFs sind die Standardwahl in der Ansparphase: maximale Kapitaleffizienz, keine manuelle Wiederanlage, geringere Transaktionskosten. Der Nachteil ist der Verlust an Liquidität — wer regelmäßige Einkünfte aus dem Portfolio braucht, muss Anteile aktiv verkaufen, was psychologisch unangenehm sein kann und Transaktionskosten verursacht. In der Entnahmephase (Pensionsbezug) bevorzugen viele Anleger daher ausschüttende Varianten.

Was Anleger oft fragen

Spart man bei thesaurierenden ETFs in Österreich Steuern? Nein, nicht systematisch — bei Meldefonds gleicht die Besteuerung der ausschüttungsgleichen Erträge die Steuerstundung weitgehend aus. Der Vorteil ist primär die operative Effizienz.