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Dispokredit

Eine eingeräumte Kreditlinie auf dem Girokonto, die automatisches Überziehen bis zur vereinbarten Obergrenze erlaubt — bequem, aber mit hohen variablen Zinsen von typisch 10-13 % p. a.

Was ein Dispokredit ist

Der Dispositionskredit — kurz Dispo in Deutschland, Überziehungsrahmen oder Kontorahmen in Österreich — ist eine eingeräumte Kreditlinie auf dem Girokonto. Der Kontoinhaber kann sein Konto bis zur vereinbarten Obergrenze überziehen, ohne einen gesonderten Kreditantrag stellen zu müssen. Die Inanspruchnahme erfolgt automatisch durch jede Belastung, die das Guthaben übersteigt.

Rechtlich handelt es sich um einen revolvierenden Verbraucherkredit nach dem österreichischen Verbraucherkreditgesetz (VKrG) bzw. dem deutschen § 504 BGB. Banken sind verpflichtet, den Effektivzinssatz transparent auszuweisen und den Kunden bei dauerhafter Überziehung von mehr als sechs Monaten aktiv zu beraten.

Zinssätze 2026: anhaltend hoch

Trotz der EZB-Zinssenkungen seit 2024 — der Einlagensatz liegt nach der Sitzung vom 5. Juni 2026 bei 1,75 % — verharren Dispozinsen im DACH-Raum auf einem auffällig hohen Niveau. Eine Stichprobe aktueller Konditionen (Juni 2026):

  • Erste Bank Österreich: 11,75 % p. a.
  • BAWAG: 12,25 % p. a.
  • Raiffeisen Wien-NÖ: 12,5 % p. a.
  • Deutsche Bank: 11,9 % p. a.
  • Sparkassen DE: 9,5-12,8 % p. a.

Die Differenz zwischen Einlagensatz und Dispozins von rund 10 Prozentpunkten ist eine der profitabelsten Margen im Retail-Banking. Verbraucherschützer in Österreich (AK, VKI) kritisieren die Diskrepanz regelmäßig, ein gesetzlicher Zinsdeckel besteht bislang aber nicht — anders als in Frankreich oder Belgien.

Geduldete Überziehung: doppelt teuer

Wer den eingeräumten Disporahmen weiter überzieht, gerät in die geduldete Überziehung (auch Überziehungskredit oder Toleranzrahmen). Der dann fällige Zinssatz liegt nochmals 3-5 Prozentpunkte über dem regulären Dispo — also oft über 16 % p. a. Banken müssen Kunden hierzu schriftlich informieren, eine separate Vereinbarung ist aber nicht erforderlich.

Strategischer Umgang

Aus Vermögenssicht ist die Dauernutzung eines Dispokredits nahezu immer ein Fehler: Ein Ratenkredit zu vergleichbarer Höhe (5.000-15.000 €) kostet bei deutschen oder österreichischen Banken aktuell 5-8 % effektiv — also weniger als die Hälfte. Wer regelmäßig im Minus ist, sollte den Dispo durch einen Ratenkredit umschulden oder ein Tagesgeldpolster aufbauen.

Für kurzfristige Liquiditätsengpässe (1-2 Wochen) bleibt der Dispo allerdings das flexibelste und vermutlich günstigste Instrument — die Kosten von 12 % p. a. relativieren sich auf wenige Euro bei kurzer Inanspruchnahme.