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ATX

Leitindex der Wiener Börse seit 1991 mit 20 Werten, klassischer Kursindex (Total-Return-Variante separat), stark konzentriert auf Banken, Versicherer und Industrie sowie CEE-exponiert.

Der österreichische Leitindex

Der ATXAustrian Traded Index — ist seit dem 2. Januar 1991 der Leitindex der Wiener Börse und bildet die liquidesten und größten österreichischen Aktien ab. Berechnet wird er von der Wiener Börse AG selbst und an jedem Handelstag im Sekundentakt fortgeschrieben. Anders als der DAX ist der ATX ein klassischer Kursindex in seiner Standardform: Dividenden werden im veröffentlichten Indexstand nicht berücksichtigt. Parallel veröffentlicht die Wiener Börse den ATX Total Return als Performance-Variante mit reinvestierten Dividenden.

Der Index umfasst 20 Werte, die nach Streubesitz-Marktkapitalisierung und Börsenumsatz ausgewählt werden. Die halbjährliche Überprüfung erfolgt im März und September durch das Index-Komitee der Wiener Börse.

Wirtschaftliche Schwergewichte

Die Zusammensetzung spiegelt die Struktur der österreichischen Wirtschaft: stark vertreten sind Banken und Versicherer (Erste Group, Raiffeisen Bank International, Vienna Insurance Group, UNIQA), die Energiewirtschaft (OMV, Verbund), Industrie- und Baukonzerne (voestalpine, ANDRITZ, Strabag, Wienerberger) sowie Immobilien (CA Immo, S Immo, IMMOFINANZ). Reine Tech-Konzerne fehlen praktisch vollständig — ein strukturelles Merkmal des österreichischen Aktienmarkts.

Die Top-5-Werte machten zuletzt rund 60 % des Index aus, was den ATX deutlich konzentrierter macht als breitere Indizes wie den MSCI World oder den EuroStoxx 600.

Liquidität und internationale Wahrnehmung

Mit einer Gesamtmarktkapitalisierung der enthaltenen Werte von rund 130 Mrd. Euro (Mitte 2026) ist der ATX deutlich kleiner als der DAX (über 1,8 Bio. Euro). Internationale institutionelle Investoren betrachten Österreich meist über den weiteren Index MSCI Austria oder als Teil des CEE-Universums (Central Eastern Europe). Genau diese geringe Größe ist aber auch die Stärke: Die enthaltenen Unternehmen sind häufig in osteuropäischen Märkten überdurchschnittlich engagiert und bieten dadurch eine spezifische geografische Diversifikation, die Westeuropa-Indizes nicht abbilden.

Renditen und Steuern

Über lange Zeiträume liegt die Performance des ATX (Kursindex plus Dividenden) bei rund 6 bis 7 % pro Jahr — leicht unter dem deutschen Markt, mit zwischenzeitlich hoher Volatilität. Die enthaltenen Unternehmen zahlen vergleichsweise hohe Dividenden (historisch 3 bis 4 % Dividendenrendite). Auf Kursgewinne und Dividenden österreichischer Aktien greift die KESt mit 27,5 %; Quellensteuerthemen entfallen, weil die Aktien im Inland emittiert sind.

ETF-Produkte auf den ATX sind selten — der iShares ATX UCITS ETF (ISIN AT0000A0DXC6) ist das wichtigste Vehikel mit TER 0,32 %.

Was Anleger oft fragen

Warum ist der ATX so volatil? Wegen seiner Konzentration auf wenige, zyklische Sektoren (Banken, Industrie, Rohstoffe) reagiert er empfindlich auf Konjunkturschwankungen und Zinsänderungen der EZB.