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Trade Republic eröffnet Wiener Lokalbüro: 35 Stellen, KESt-Automatik ab September

Der Berliner Neobroker betreibt erstmals einen Standort außerhalb Deutschlands. In der Mariahilfer Straße entstehen 35 Arbeitsplätze, ab 1. September laufen KESt-Abzug und ATX-Sparpläne automatisch.

Option News Redaktion · 25. Mai 2026 · 5 Min. Lesezeit

Trade Republic Wiener Lokalbüro Mariahilfer Straße

Die Trade Republic Bank GmbH hat am Montagvormittag, dem 25. Mai 2026, die Eröffnung eines Lokalbüros in Wien-Mariahilf bekannt gegeben. Es ist die erste physische Niederlassung des Berliner Neobrokers außerhalb Deutschlands. Der Standort in der Mariahilfer Straße 116 soll bis Ende des dritten Quartals 2026 in Vollbetrieb gehen und nach Unternehmensangaben 35 Mitarbeitende beschäftigen, darunter ein eigenes Compliance- und KESt-Service-Team.

Was wurde angekündigt

Trade Republic begründet den Schritt mit der Größe der österreichischen Kundenbasis. Diese sei seit dem Marktstart 2020 auf rund 470.000 aktive Depots gewachsen. Damit liegt der Anbieter laut Brancheneinschätzung knapp hinter Bitpanda und vor Flatex Austria im Privatkundengeschäft. Geschäftsführer Christian Hecker erklärte in der Pressemitteilung, eine lokale Präsenz erlaube dem Unternehmen, "regulatorische Erwartungen der FMA und steuerliche Eigenheiten des österreichischen Marktes systematischer zu adressieren".

Konkret sind mehrere Änderungen für Bestandskunden vorgesehen. Erstens läuft der bisher manuelle KESt-Abzug ab dem 1. September 2026 vollautomatisch. Bisher mussten österreichische Anleger ihre Kapitalertragsteuer von 27,5 Prozent über die Arbeitnehmerveranlagung selbst erklären. Zweitens öffnet das Unternehmen ein Sparplan-Angebot auf ATX-Einzelaktien, das bisher technisch nur über die Xetra-Frankfurt-Anbindung verfügbar war. Drittens startet ein Wiener Kundensupport mit deutschsprachigen Mitarbeitenden zwischen 8 und 20 Uhr.

Was das bedeutet

Für die geschätzt 470.000 österreichischen Depots ist die KESt-Automatik der praktisch wichtigste Punkt. Die jährliche Eigenerklärung über FinanzOnline scheitert nicht selten an Dokumentationslücken — die Strafzuschläge der Finanzverwaltung liegen je nach Fall zwischen 50 und mehreren hundert Euro. Mit der Automatik zieht Trade Republic mit Erste Bank, Bitpanda und Flatex Austria gleich, die diesen Service bereits anbieten.

Wettbewerblich verschärft sich der Druck auf die etablierten Anbieter. Trade Republic verlangt eine Ordergebühr von einem Euro je Wertpapiergeschäft und verzinst Tagesgeld bis 50.000 Euro mit 2,75 Prozent. Erste Bank fordert je nach Tarif 5 bis 14 Euro pro Order, Raiffeisen bewegt sich in ähnlichen Größenordnungen. Bitpanda hat seine Stocks-Ordergebühren Anfang Mai auf 0,99 Euro gesenkt und reagiert damit erkennbar auf die Konkurrenz.

Strategisch ist der Wiener Standort der erste konkrete Schritt einer angekündigten Internationalisierung. Brancheninsider rechnen mit Niederlassungen in Madrid und Mailand bis Mitte 2027. Wer die Trade Republic Bank GmbH oder einen möglichen Börsengang verfolgt — ein IPO wurde wiederholt diskutiert, jedoch nicht avisiert — sollte die Wirtschaftlichkeit des Wiener Standorts in den nächsten vier Quartalen beobachten.

Wie es weitergeht

Die FMA hat die Niederlassung im Rahmen der bestehenden EU-Passporting-Lizenz zustimmend zur Kenntnis genommen. Eine vollständige österreichische Bankenlizenz beantragt Trade Republic nicht. Kundeneinlagen liegen weiterhin bei der deutschen Trade Republic Bank GmbH unter deutscher Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Kunde.

Die offizielle Standorteröffnung ist für den 15. September 2026 angekündigt. Bis dahin sollen KESt-Automatik und ATX-Sparpläne technisch live sein. Im Herbst plant das Unternehmen einen Roadshow-Termin in Wien für institutionelle Investoren und Medien. Die nächste Quartalsmitteilung ist für Anfang August 2026 vorgesehen.


Quellen: Trade Republic Pressemitteilung vom 25. Mai 2026 · FMA-Übersicht EU-Passporting-Anbieter · Bundesanzeiger: Trade Republic Bank GmbH