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Tracking Error

Annualisierte Standardabweichung der täglichen Renditedifferenzen zwischen einem passiven Fonds oder ETF und seinem Referenzindex — misst die Qualität der Indexnachbildung.

Was der Tracking Error misst

Der Tracking Error quantifiziert, wie genau ein passiv verwalteter Fonds oder ETF seinen Referenzindex tatsächlich nachbildet. Konkret ist er definiert als die annualisierte Standardabweichung der täglichen Renditedifferenzen zwischen Fonds und Index, gemessen über einen rollierenden Zeitraum von meist 12 oder 36 Monaten. Eine niedrige Kennzahl bedeutet, dass die Anlegerin tatsächlich die Index-Performance erhält; ein hoher Wert weist auf systematische Abweichungen hin und macht das Investmentversprechen des ETF brüchig.

In der Praxis liegen die Werte für hochliquide Vehikel auf den MSCI World oder S&P 500 bei 0,05 bis 0,15 % p. a. — vernachlässigbar gering. Bei exotischen Indizes (Schwellenländer-Sektoren, Small Caps in Frontier Markets) sind dagegen Tracking Errors von 1 bis 3 % keine Seltenheit.

Tracking Error versus Tracking Difference

Beide Kennzahlen werden oft verwechselt, messen aber Unterschiedliches:

  • Tracking Difference (TD): arithmetische Differenz zwischen jährlicher ETF-Rendite und Index-Rendite. Beispiel: Index +7,00 %, ETF +6,75 % → TD = −0,25 %. Misst, wieviel Performance der Anleger gegenüber dem Index netto verliert (oder gewinnt).
  • Tracking Error (TE): Standardabweichung der täglichen Renditedifferenzen. Misst, wie stabil das Tracking ist — also wie verlässlich der ETF dem Index folgt.

Für Anleger ist meist die Tracking Difference die relevantere Kennzahl, weil sie die effektive Performance-Lücke nach Kosten beschreibt. Der Tracking Error dagegen ist eher ein Qualitätsmaß für das Fondsmanagement und für institutionelle Anwender (Pensionskassen, Versicherer) wichtig, die enge Performance-Korridore vorschreiben.

Ursachen für Abweichungen

Der Tracking Error entsteht aus mehreren Quellen: laufenden Verwaltungsgebühren (TER), Transaktionskosten beim Index-Rebalancing, Sampling-Effekten bei physischer Teil-Replikation, Quellensteuern auf Dividenden ausländischer Aktien, Cash-Drag durch nicht sofort investierte Mittelzuflüsse, sowie Wechselkursdifferenzen bei nicht-EUR-Vehikeln. Synthetisch replizierende ETFs minimieren den Tracking Error oft besser als physische Vehikel, handeln sich dafür aber Kontrahentenrisiko ein.

Konkrete Beobachtung

Der iShares Core MSCI World UCITS ETF Acc (ISIN IE00B4L5Y983) wies 2024 einen Tracking Error von 0,07 % über 12 Monate auf — bei einer TER von 0,20 %. Die Tracking Difference lag bei −0,12 % (ETF schneidet nach Kosten leicht besser ab als der Index nach allen Anrechnungen, weil iShares Wertpapierleihe-Erträge teilweise an den Fonds weitergibt).

Im Gegensatz dazu kam der iShares MSCI Frontier and Select EM UCITS ETF (ISIN IE00BQQP9G87) im selben Jahr auf einen Tracking Error von rund 1,9 % — bedingt durch illiquide Einzelmärkte (Vietnam, Bangladesch, Kazakhstan) und entsprechend aufwendiges Sampling.

Was Anleger oft fragen

Wo finde ich den Tracking Error meines ETF? In den Anbieter-Factsheets unter "Tracking", im Halbjahres- oder Jahresbericht. Wichtige Vergleichsplattformen sind justETF und der ETFbook der Wiener Börse.